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Andrin Hunziker: «Da kam nichts vom Verein»
Der Stürmer äussert sich erstmals zu seinem Wechsel nach St. Gallen und schildert, wie er die Verhandlungen mit dem FC Basel erlebt hat.
Andrin Hunziker darf einen gelungenen Saisonauftakt feiern. Der Stürmer, der erst am 17. Juli
vom FCB zum FC St. Gallen wechselte, erzielt bei seinem ersten Super-League-Spiel für die Ostschweizer sogleich sein erstes Tor: Ein gut getimter Kopfball in der 74. Minute, der entscheidende Treffer beim 2:1-Heimsieg des FCSG gegen den FC Zürich.
Doch nach dem Spiel schlägt der 23-Jährige im Interview mit Blue ernste Töne an. Angesprochen auf den jüngsten Transfer und darauf, dass David Degen sagte, man hätte Hunziker gerne beim FCB behalten, aber ihm den gewünschten Platz als Stürmer Nummer 1 nicht garantieren können, sagt der Spieler: «Das wüsste ich wohl, wenn sie mich gerne zurückgeholt hätten.» Es sei Ansichtssache, er wolle sich nicht zu fest äussern.
Dann äussert sich Hunziker doch ziemlich fest: «Fakt ist: Die Überzeugung hat in allen Belangen gefehlt. Ich hatte noch ein Jahr Vertrag. Da kam nichts vom Verein. Und dann war für mich klar: Wenn so ein Verein kommt, wenn St. Gallen kommt, das so gut aufgebaut ist, das Team so beisammen hat und ich von Tag eins wirklich eine Überzeugung gespürt habe … Es ist für mich richtig schön, hier zu sein.»
David Degen zu Andrin Hunzikers Abgang
Hunzikers Schilderungen gingen Aussagen von
FCB-Präsident David Degen voraus. Dieser sagte im clubeigenen Podcast vor Wochenfrist: «Ich hätte Andrin sehr gerne weiter bei uns gesehen. Aber Andreas (Herrmann, der technische Leiter beim FCB; Anm. d. Red.) hat von Anfang an transparent kommuniziert, dass wir zwei neue Stürmer holen. Für uns ist das zwar schade, aber letztlich ein gemeinsamer Beschluss.»
Andreas Herrmann sagte: «Wir hatten bereits im Mai ein offenes Gespräch mit Andrins Beratern. Unser Ziel war es, ihn in einem Stürmer-Trio einzuplanen. Seine Agenten machten uns jedoch früh klar, dass er den Anspruch hat, woanders als klare Nummer 1 zu spielen. Bei nur noch elf Monaten Restvertrag mussten wir am Ende eine Entscheidung im Interesse des Vereins treffen.»
Nun stehen die Äusserungen von Club und Spieler nicht in einem direkten Widerspruch zueinander. Offenkundig ist aber, dass unterschiedliche Auffassungen und Interpretationen des Geschehenen vertreten werden. Naheliegend scheint Folgendes: Beim FCB dürfte man darauf verzichtet haben, dem Stürmer in diesem Sommer einen Vertrag vorzulegen. Stattdessen hat man wohl zuwarten und aufgrund der Leistungen in dieser Saison darüber entscheiden wollen, ob man mit dem 23-Jährigen verlängert. Zugleich konnte man ihm den Stammplatz im Sturm nicht garantieren.
Dies würde erklären, warum man beim FCB von einem gemeinsamen Entscheid spricht – und Hunziker auf der anderen Seite die Aussage trifft, es sei «nichts» vom FC Basel gekommen.
Entscheidend für die Wahrnehmung dieses Transfers wird sein, wie Hunziker diese Saison sportlich gestaltet. Startet er durch, wird es heissen, der FCB habe sich zu wenig um ihn bemüht. Falls nicht, wird man sich bei Rotblau bestätigt sehen. Beides ohne zu wissen, ob es gleich verlaufen wäre, hätte dieser Transfer nicht stattgefunden.
Dominik Schmid und Salzburg
Andrin Hunzikers Abgang ist nicht der einzige, der beim FC Basel in diesem Sommer nicht ganz ohne Nebengeräusche verläuft. Dominik Schmids Transfer nach Salzburg weist Parallelen auf. Damals liess sich der sportliche Leiter Valentin Stocker wie folgt zitieren: «Wir hätten Dominik Schmid sehr gerne beim FC Basel gehalten. Aber er ist auf uns zugekommen und hat den Wunsch geäussert, nochmals einen Schritt zu machen und eine Gelegenheit im Ausland wahrzunehmen.»
Das Zitat wurde auf Schmids Wunsch entfernt. Denn auch er hatte eine andere Auffassung des Geschehenen, wie sich dem Interview, das
Dominik Schmid nach seinem Abgang in der Basler Zeitung gegeben hat, ableiten lässt. «Ich habe von den FCB-Verantwortlichen nicht gespürt, dass sie mich halten wollten», sagte der Verteidiger damals. «Im Gegenteil, sie signalisierten sofort Gesprächsbereitschaft, mit anderen Vereinen über meinen Wechsel zu verhandeln.»
Wie die Gespräche intern genau verliefen, wird sich nicht abschliessend klären lassen. Was die Aussenwirkung anbelangt, dürften solche Äusserungen von ehemaligen Profis und Nachwuchsspielern dem FC Basel aber keine Bonuspunkte bei seinen Fans einbringen.