Cuore Matto hat geschrieben: 06.07.2026, 07:22
Usswärtsfahrer hat geschrieben: 05.07.2026, 13:39
Interview mit Lupo in der BZ (Bezahlcontent):
https://www.bzbasel.ch/sport/fc-basel/m ... ld.4196491
Schliesslich überwiegen zwei Punkte und eine Person bei seiner Entscheidungsfindung: «Mir wurde erstens klar, dass ich eine solche Chance nie mehr bekommen würde. Assistenztrainer beim FC Basel, das ist eine einmalige Sache. Zweitens ist der FCB der Klub, der mich gross gemacht hat, bei dem ich so viele schöne Zeiten hatte und dem ich auch das Leben, das ich heute lebe, verdanke.»
Eine vo uns!
Freut mich, dass er wieder beim FCB und sogar im Eins tätig ist.
Kann jemand das Interview posten?
«Ich bin der böse Polizist, wenn es nötig ist»: Mario Cantaluppi über seine neue Rolle beim FC Basel
Nach nur einem halben Jahr beim FC Winterthur ist Mario Cantaluppi zurück beim FC Basel. Wie ihn Stephan Lichtsteiner überzeugen konnte und wie ihm sein Status als Dino hilft.
Mario Cantaluppi zückt sein Handy. «Das kann ich Ihnen sagen. Einen Moment», sagt er und scrollt durch WhatsApp. Während er nach der Nachricht sucht, in welcher Stephan Lichtsteiner ihm ankündigte, dass er ihn anrufen werde, spricht er weiter: «Lange ist das nicht her. Drei, vier Wochen.»
Nach kurzer Suche hat Cantaluppi die entsprechende Nachricht gefunden. Ende Mai ist es, als sich der Cheftrainer des FC Basel bei «Lupo», wie alle Cantaluppi nennen, meldet. Kontakt hatten die beiden immer in den vergangenen Jahren. Lose jedoch. Ihm sei schliesslich klar gewesen, dass «Steph», wie er Lichtsteiner nennt, «zu beschäftigt war, als mich täglich zu fragen, wie es mir geht».
Doch Lichtsteiner will Ende Mai nicht nur wissen, wie Cantaluppi, mit dem er im Nachwuchs des FCB zusammengearbeitet hat, geht. Er will wissen, wie die Zukunftspläne des 52-Jährigen aussehen. Oder noch konkreter: Ob diese sich nicht zurück nach Basel verlagern könnten?
«Es hat mich vertätscht!», sagt Cantaluppi und lacht. Seit rund zwei Wochen ist er Assistenztrainer von Lichtsteiner bei den Profis des FC Basel. Weil er im Mai schliesslich ja gesagt hat. Dies, obschon er erst ein halbes Jahr zuvor «ziemlich zügig», so seine Worte, den FCB verlassen hatte. Oder verlassen musste. Seither amtete er beim FC Winterthur als Cheftrainer der U21.
Eine Klausel für den Fall der Fälle
Die Möglichkeit, dass er diesen Posten so schnell, wie er es jetzt eben getan hat, bereits wieder verlassen könnte, die bestand immer. Im Arbeitspapier mit Winterthur liess sich Cantaluppi eine Klausel einbauen, wie er erzählt: für den Fall, dass ein Team aus der Super oder der Challenge League anruft und ihn in den Staff holen will. «Die Menschen in Winterthur sind mega. Wirklich. Natürlich waren sie nicht glücklich, dass ich nach nur einem halben Jahr wieder weg bin. Aber sie haben das verstanden», erzählt Cantaluppi.
Dennoch ist es nicht selbstverständlich, dass er nun wieder rotblau trägt. Als im vergangenen November kommuniziert wurde, dass Cantaluppi die U21 per sofort abgibt und damit nach sieben Jahren auf dem Campus den FC Basel verlässt, herrschte Verwunderung. Schnell wird aber klar: Cantaluppi, der 303 Partien als Spieler für den FCB absolviert hat, ist nicht ganz freiwillig gegangen. Mehrfach betonte er damals, dass er gerne geblieben wäre.
Heute sagte er: «Wir hatten unterschiedliche Ansichten hinsichtlich der Ausrichtung der U21-Mannschaft und darum wäre es im Sommer wohl sowieso zu einem Wechsel gekommen.» Die Trennung sei folglich logisch gewesen. «Da muss man ehrlich mit sich selbst und vor allem auch miteinander sein. Authentisch und sachlich bleiben. Daher war das für mich damals okay, auch wenn es natürlich weh tat, den Club zu verlassen.»
Bei allen wäre er nicht Assistent geworden
Dass er nur ein halbes Jahr später wieder beim FCB sein würde, wenn auch in anderer Position, hätte er nicht erwartet. Als Lichtsteiner den Kontakt aufnimmt, glaubt er erst nicht, was dieser ihm vorschlägt. Doch als der frühere Weltklasse-Fussballer ihn zum dritten Mal anruft, wird sich Cantaluppi ob der Ernsthaftigkeit der Avancen klar. Aufgrund der Geschehnisse im November macht er sich jedoch Gedanken. «Nicht, ob ich wieder zum FCB gehen möchte. Ich habe einfach über die ganze Situation nachgedacht.»
Schliesslich überwiegen zwei Punkte und eine Person bei seiner Entscheidungsfindung: «Mir wurde erstens klar, dass ich eine solche Chance nie mehr bekommen würde. Assistenztrainer beim FC Basel, das ist eine einmalige Sache. Zweitens ist der FCB der Klub, der mich gross gemacht hat, bei dem ich so viele schöne Zeiten hatte und dem ich auch das Leben, das ich heute lebe, verdanke.»
Der dritte Faktor ist Lichtsteiner. «Ich würde nur bei zwei, drei Leuten den Assistenten machen.» Lichtsteiner ist einer davon. Wenn Cantaluppi vom 42-Jährigen spricht, gerät er regelrecht ins Schwärmen. «Er inspiriert mich mit seiner Demut. Er ist sich für nichts zu schade. Was mir ausserdem extrem gefällt, ist, dass er sehr fordernd ist. Und er ist brutal ehrgeizig und ein Detail-Fanatiker. Nur darum hat er so viele Titel gewonnen und eine derart erfolgreiche Karriere gemacht.».»
Er freue sich darauf, von Lichtsteiner lernen zu dürfen. So sagt es der zehn Jahre ältere Cantaluppi, der seit 15 Jahren als Trainer tätig ist. Aufgrund seiner Erfahrung wiederum glaubt er, Lichtsteiner auf dessen Weg auch noch etwas mitgeben zu können. «Wir im Staff werden ihn in allen Belangen unterstützen.» Noch sei der engste Zirkel um den Chefcoach dabei, genaue Rollen zu verteilen und beispielsweise zu definieren, wer an den Spielen schliesslich auf der Bank neben Lichtsteiner sitzen und wer ihn von dort mit Informationen versorgen soll. «Wir sind da sehr flexibel.» Die Testspiele sollen helfen, auch diesbezüglich Klarheit zu schaffen.
Klar ist jedoch bereits, dass sich Lichtsteiner gemeinsam mit Goalie-Trainer Gabriel Wüthrich sowie den Assistenten Luigi Nocentini und Simone Grippo vermehrt um die Defensive kümmern wollen. Pascal Bader, der im Tausch mit Grippo nun statt Co-Trainer neu Talentmanager ist, wird gemeinsam mit Cantaluppi den Fokus auf die Offensive legen.
Cantaluppi und der Blick tief in die Augen
Ferner hat sich für den Rückkehrer Cantaluppi eine Rolle ganz natürlich ergeben: «Ich bin der mit der Erfahrung. Und ich bin hinsichtlich der Disziplin ein Dinosaurier. Als solcher weiss ich, dass immer auch jemand der böse Polizist sein muss. Und diese Rolle übernehme ich, wenn es nötig ist, gerne.»
Cantaluppi wird also darauf achten, wer sich wie gibt. Denn: «Wie du dich ausserhalb vom Feld, in der Kabine, überall, verhältst, so wirst du dich auch auf dem Platz verhalten. Keiner ist etwas Besseres. Das ist das Wichtige. Gibst du mir den Respekt nicht, gebe ich dir den Respekt auch nicht», so seine Devise. Spürte er, als er noch selbst Cheftrainer im Nachwuchs war, fehlenden Respekt, dann war dies ein Grund für ihn, jemanden nicht einzusetzen.
Weil Lichtsteiner sonst genug zu tun habe, achte er nun darauf. «Die Spieler müssen mich nicht immer gernhaben. Tief drinnen mögen viele Menschen Disziplin und Kontinuität. Wenn sie das realisiert haben, werden sie mich auch wieder besser verstehen, wieso mir diese Werte so wichtig sind.» Bis dahin schaue er den Spielern tief in die Augen. Sei konfliktfähig. Möge Reibung.
Cantaluppi hat Freude an seinem neuen, alten Umfeld. Es funktioniere tagtäglich besser im Staff und im Training. Auch wenn das Kader noch unfertig ist. Dazu mag er sich nicht äussern, das sei Chefsache. Aber: «Ich glaube, es kommt gut. Jetzt brauchen wir nur noch Resultate. Aber die brauchst du beim FC Basel immer.»