David Degen: «Nur Basler zu sein, reicht nicht»
Chris Bedia war zu teuer, Andrin Hunziker hatte andere Pläne: Was David Degen und Andreas Herrmann im Podcast des FC Basel sagen.
Am Samstag startet der FC Basel in Genf in die Saison. Schon am Dienstag sprachen Club-Präsident David Degen und sein neuer technischer Direktor Andreas Herrmann im hauseigenen Podcast über …
… die neue Recruitment-Philosophie
David Degen: «Mir ist in den letzten Jahren klar geworden, dass wir im Scouting und Recruitment nicht so aufgestellt waren, wie ich mir das wünsche. Wir brauchten neues Know-how, Power und Dynamik. Das erste Gespräch mit Andreas war eine Punktlandung. Wir haben für diese Professionalisierung viel Geld investiert, weil wir neue Wege gehen müssen. Andreas und Chefscout Marko Filipovic bringen eine Professionalität und Agilität mit, die es in der Schweiz so bisher nicht gibt. Ihre erste Shortlist im April umfasste rund 20 bis 25 durchgescoutete Spieler. Dass am 15. Juni noch nicht alle Spieler da waren, gehört zum Geschäft: Die Konkurrenz schläft nicht, und Top-Spieler sowie Berater pokern teilweise.»
… datengestütztes Scouting
Andreas Herrmann: «Wir kommen nicht bei jedem Transfer über die Daten. Aber mit Philippe Beck haben wir einen extrem datenaffinen Scout im Team, und gerade die athletischen Werte sind für uns unheimlich wichtig, zumal darauf auch in den grosse Ligen wert gelegt wird und es Teil unseres Geschäftsmodells bleibt, Spieler für diese Ligen zu entwickeln und gewinnbringend weiter zu transferieren.»
… das Werben um Chris Bedia
Andreas Herrmann: «Wir haben uns intensiv mit Chris Bedia beschäftigt und standen ein, zwei Mal kurz vor dem Vollzug. Aber Chris ist 30 Jahre alt und schliesst seinen letzten grossen Vertrag ab. Am Ende muss das Gesamtpaket bezüglich der Vertragslänge zu unseren Vorstellungen passen, ohne den Club finanziell zu überstrapazieren. Er hat schliesslich ein hoch dotiertes Angebot aus Dubai erhalten, mit dem wir nicht konkurrenzieren konnten.»
David Degen: «Wir haben bei Bedia ein sehr, sehr hohes Angebot auf den Tisch gelegt. Er hat sich am Ende trotzdem für Dubai entschieden. Ihm ging es – ohne das wertend zu meinen – um das Geld für seinen letzten Vertrag. Es wäre für uns ein Riesen-Investment gewesen, und ob es sich am Ende ausgezahlt hätte, weiss man nie.»
… die Verpflichtung von Žan Celar
Andreas Herrmann: «Wir haben eine Baustelle ein bisschen geschlossen, aber es wird im Sturm wahrscheinlich noch etwas passieren. Wer um den Titel mitspielen will, braucht 70 bis 80 Tore – die erzielen nicht zwei oder drei Stürmer alleine. Wir wollen Spieler, die aus der richtigen Motivation zu uns kommen, für den FCB brennen und dafür auf Geld verzichten. Bei Žan Celar war das absolut der Fall: Er verdient hier etwa die Hälfte von dem, was er bei Queens Park Rangers hatte.»
David Degen: «Ich bin froh, dass wir einen hoch motivierten Celar bei uns haben, der drei Jahre jünger als Bedia ist und sich beweisen will. Wir wollten einen Stürmer, der die Schweizer Liga kennt und weiss, wo das Tor steht.»
… den Abgang von Andrin Hunziker
Andreas Herrmann: «Wir hatten bereits im Mai ein offenes Gespräch mit Andrins Beratern und auch Trainer Stephan Lichtsteiner hat mit ihm gesprochen. Unser Ziel war es, ihn in einem Stürmer-Trio einzuplanen. Seine Agenten machten uns jedoch früh klar, dass er den Anspruch hat, woanders als klare Nummer 1 zu spielen. Bei nur noch elf Monaten Restvertrag mussten wir am Ende eine Entscheidung im Interesse des Vereins treffen.»
David Degen: «Ich hätte Andrin sehr gerne weiter bei uns gesehen. Er ist ein super Junge mit dem Herz am rechten Fleck. Aber Andreas hat von Anfang an transparent kommuniziert, dass wir zwei neue Stürmer holen. Bei St. Gallen bekommt er nun die Rolle, die er gesucht hat. Für uns ist das zwar schade, aber letztlich ein gemeinsamer Beschluss.»
… die Absage von Charles Pickel
Andreas Herrmann: «Auch mit Charles Pickel haben wir gesprochen, aber er hat sich letztlich wie Bedia für einen Wechsel in die Emirate entschieden.»
… Nachwuchsförderung und Identifikation
David Degen: «Mein Ziel ist es, möglichst viele eigene Junge auf dem Platz zu haben. Aber trotz dominierender Nachwuchsteams schaffte zuletzt – abgesehen von Leon Avdullahu – kaum ein Junior den Durchbruch. Spieler wie Roméo Beney oder Junior Zé bringen die Qualität mit, aber am Ende fehlten Kopf, Mentalität, Resilienz und der unbedingte Wille, um den letzten Zentimeter zu fighten. Mein Anspruch ist es, wie Barcelona jährlich ein bis drei Spieler einzubauen. Nur für andere Super-League-Clubs oder die Challenge League bilden wir nicht aus. Aber: Welche europäischen Teams spielen heute noch mit eigenen Junioren? Wir sind verwöhnt aus der Vergangenheit, aber in dieser Generation gibt es schlicht nicht mehr. Am Ende geht es ums Gewinnen. Letzte Saison hatten wir viele Identifikationsfiguren, sind aber an der Mentalität gescheitert. Genau deshalb verändern wir jetzt den Charakter der Mannschaft mit Spielern, die in jeden Zweikampf reingehen. Nur Basler zu sein, reicht nicht. Letzte Saison hatten wir phasenweise ein Durchschnittsalter von über 27 Jahren auf dem Platz - und hatten trotzdem durchwegs Probleme.»
… echte FCB-Treue versus Lippenbekenntnisse
David Degen: «Ich muss eine Lanze für Xherdan Shaqiri brechen: Er hat auf enorm viel Geld verzichtet und wir sind an unsere finanzielle Schmerzgrenze gegangen, um seine Rückkehr zu ermöglichen. Es gibt aber leider genug andere Spieler, die ständig von ihrer rotblauen Herzensangelegenheit sprechen, aber genau das Gegenteil tun, sobald es ernst wird. Da ist das angebliche Basel-Herz sehr weit weg.»
… den Stand der Kaderplanung
David Degen: «Wir haben gezielt nach Spielern gesucht, welche die Schweizer Liga kennen. Du brauchst drei, vier Führungsspieler mit der richtigen Einstellung. Sie müssen gar nicht die absoluten Überflieger sein, aber sie müssen die Mannschaft mitreissen können.»
Andreas Herrmann: «Wir befinden uns auf der Zielgeraden. Es werden sicher noch Verstärkungen dazukommen, aber wir müssen auch Abgänge abwarten, da der Trainingskader derzeit sehr gross ist. Mit potenziellen Neuzugängen und ihren Beratern sind wir uns grundsätzlich einig. Wir stehen jedoch nicht unter Druck: Jede Position ist aktuell doppelt besetzt.»