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Thema: US-Präsidentschaftswahl 2016

  1. #421
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    Zitat Zitat von Wasserturm Beitrag anzeigen
    Dieses Land braucht nun v.a. eine Persönlichkeit, die wieder etwas Einigkeit schaffen kann, keinen polarisierenden Kopf.
    Und das wird nicht passieren solange die Medien so funktionieren wie im Moment.

  2. #422
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    Zitat Zitat von Wasserturm Beitrag anzeigen
    Ein dannzumals 79-jähriger Kandidat ist mM schlicht zu alt für dieses Amt. Sanders hat es verpasst, einen geeigneten Kandidaten oder eine Kandidatin heranzuziehen. Dass gerade er das amerikanische Volk wieder etwas aus dem momentan vergifteten Klima führen kann scheint mir zudem illusorisch. Jetzt wettern und jammern die Demokraten, bei einer Wahl Sanders würden dies die Republikaner und eher konservativen Demokraten erst recht tun. Dieses Land braucht nun v.a. eine Persönlichkeit, die wieder etwas Einigkeit schaffen kann, keinen polarisierenden Kopf.
    Das Alter sollte nicht den primären Grund geben. Ja, auch mir wäre lieber, wenn es einen jüngeren Kandidaten gäbe, aber seien wir mal ehrlich. Das Alter ist nur eine Zahl. Solange jemand geistig gesund und körperlich einigermassen beisammen ist, bevorzuge ich einen 80-Jährigen Sanders, wenn es keine anderen Sozialdemokraten im Rennen hat.

    Elizabeth Warren ist sicherlich auch nicht schlecht, aber geht für mich in die Kategorie "Jositsch". Keine schlechte Politikerin, aber wenn es einen echten sozialdemokratischen Kandidaten gibt würde ich diesen immer bevorzugen.

    Bezüglich Polarisierung bin ich nicht deiner Meinung. Bernie Sanders ist aktuell der beliebteste Senator in den USA und einer der beliebtesten Politiker überhaupt. Dass Sanders ein extremistischer Sozialist wäre, der spalte, ist vor allem ein Argument in faschistoiden Medien wie Fox News oder Infowars. Sanders ist kein Extremist. In Europa wäre er ein gewöhnlicher Sozialdemokrat (ok, vielleicht kein Deutscher Sozialdemokrat, dort wäre er vermutlich in der Linkspartei ). Ehrlich gesagt fordert er jetzt keine so wahnsinnig extremistischen Sachen, zumindest nicht aus westeuropäischer Sicht. Vor allem seine populärsten Standpunkte sind gewöhnliche sozialdemokratische Programme, welche sich vor allem nach dem 2. Weltkrieg in einigen westeuropäischen Ländern durchgesetzt haben. Öffentliche Krankenkassen, Besser öffentlich finanzierte Volks- und Hochschulen, Mindestlohn (wenn nicht staatlich, dann zumindest in den wichtigsten Branchen). Dazu noch der grüne Punkt mit Investitionen in erneuerbare Energien, welche ebenfalls von allen Sozialdemokraten in Europa aufgenommen wurde.

    Ehrlich gesagt, das Einzige, was zurzeit in Washington extrem polarisierend wirkt ist die Macht des Kapitals gegenüber der Macht der Bürgerinnen und Bürger. Sanders ist der Einzige ernstzunehmende Kandidat, der nichts von diesem Geld sieht und somit der Einzige, der dieses Machtverhältnis effektiv korrigieren kann, da er seine Administration nicht mit ehemaligen CEOs und VR-Präsis von Banken und Industrie füllen muss.

    Edit:
    Noch eine kurze Anmerkung: Das Problem der Demokraten war, dass sie in den letzten ca. 30 Jahren, am rechten Rand fischen.Sie versuchten rote Staaten für sich zu gewinnen, indem sie sozial konservativer wurden, um der (noch) mächtigsten Bevölkerungsgruppe in den USA zu gefallen. Weisse Evangelikale auf dem Land.

    Dies führte dazu, dass seit den 70er Jahren die Sozialdemokratie im politischen Mainstream der USA nur eine marginale Rolle spielte. Die Verteuflung des Sowjetsozialismus im Umfeld des KK hat das Seinige natürlich dazu beigetragen. Den letzten demokratischen Präsi, denn man zumindest ansatzweise als Sozialdemokrat bezeichnen kann, war wohl Johnson. Und dann kam 2015 Sanders und brachte die Sozialdemokratie wieder in den US-Mainstream und siehe da, es war populär. Und die Auswirkung davon sah man bei den Midterms letztes Jahr. Da hat sich eine gänzlich unbekannte Sozialdemokratin gegenüber den Nr. 3 Demokraten hinter Schumer und Pelosi durchgesetzt. Die Sozialdemokratie hat Einzug erhalten und deren Programmpunkte sind äusserst beliebt bei der amerikanischen Bevölkerung. Übrigens auch in republikanischen Gegenden.

    Sanders wurde 2016 durch seine eigene Partei betrogen, und jetzt will er es nochmals wissen und das ist gut so.
    Geändert von Konter (20.02.2019 um 12:57 Uhr)
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  3. #423
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    Mein Geld wuerde ich auf Joe Biden setzen. Aber mal sehen ob Bloomberg kandidieren wird.

    Im Moment haben die Demokraten ja ihren "clown car" in Anfahrt. Hoffentlich verkleinert sich das Feld ziemlich schnell auf 2-3 ernsthafte Kandidaten. 4 weitere Jahre mit Trump braucht nun wirklich niemand mehr...

  4. #424
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    Mit Biden könnte man wenigstens der befürchteten Alibi-Kritik an Sanders über sein Alter den Wind aus den Segeln nehmen. Denn kein glaubwürdiges Medium könnte diese Kritik an Sanders anbringen, ohne dies gleichzeitig bei Biden zu tun. Persönlich finde ich dies bei beiden kein Handicap, aber wir wissen ja alle wie die Medien funktionieren.

    Die 3-4 ernsthaften Kandidaten werden dann wohl Biden, Harris, Warren und Sanders sein. Also auf diese Primaries wäre ich dann mal gespannt. Zum ersten mal, seit ich Politik verfolge, wäre es dann nämlich der Fall, dass es mehr als einen Sozialdemokraten im Rennen der demokratischen Primaries hat.

    Sanders Auftakt, war ja schonmal nicht von schlechten Eltern.

    Entscheidend wird auch sein, ob die Mainstream-Medien wegen den Quoten, alle Trump-Wahlveranstaltungen übertragen werden. Die Frage ist auch, ob dies überhaupt noch die gleich gute Quote geben würde, wie 2015/16.

    So oder so, egal wer bei den Primaries rauskommt, die demokratische Partei muss zusammenstehen. Ich hätte tausendmal lieber Biden- 2020-2028, als 4 weitere Jahre Trump.

    Von Bloomberg und Schultz halte ich nicht viel, die Milliardäre hatten jetzt genug Zeit in Washington. Jetzt wird es mal an der Zeit, dass nicht primär nach Kapitalkraft, sondern nach politischen Ansichten und Beliebtheit bei der demokratischen Basis aufgestellt wird.
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  5. #425
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    Zitat Zitat von Konter Beitrag anzeigen
    Mit Biden könnte man wenigstens der befürchteten Alibi-Kritik an Sanders über sein Alter den Wind aus den Segeln nehmen. Denn kein glaubwürdiges Medium könnte diese Kritik an Sanders anbringen, ohne dies gleichzeitig bei Biden zu tun. Persönlich finde ich dies bei beiden kein Handicap, aber wir wissen ja alle wie die Medien funktionieren.
    Ich bin zu 100% für Biden. Ein "altes Schlachtross" der US Administration, kennt jeden Winkel im Kapitol und White House. Hat als sehr involvierter Vize von Obama genügend Präsidialerfahrung gesammelt. Biden wird vom 1. Tag an seinen Job machen, der braucht keine Anlaufzeit. Er würde auch keine organisierte Administration ablösen, Trump wird (egal ob 2020 oder 2024) einen Sauhaufen hinterlassen. Die letzten Tage von Trump werden den letzten Tagen von Caligula in nichts nachstehen.

    Weiter ist er für viele wählbar: Skandalfrei, bekannt, eine Familienmensch. Durch die Schicksalsschläge der Familie Biden bliebt er geerdet, weiss um den Wert von Leben. Ein kompletter Mensch mit einem grossen Herz aber auch hart genug, den Sumpf von Washington zu überstehen. Eigentlich kann jeder Amerikaner (ok, vieleicht ausser den "Red Neck Heck Yea") irgendwas von sich in Biden wiederfinden.
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  6. #426
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    Ich denke bezüglich Punkten, wie skandalfrei, Familienmensch, Präsidialerfahrung haben die letzten Wahlen bewiesen, dass dies vielen Amis am Arsch vorbei geht. Folgend kann dies niemals die Devise sein, auf Grund von diesen Punkten den Präsidialwahlkampf aufzubauen. Wenn die Demokraten, wie bereits mit Hilary wieder auf einen Anti-Trump-Wahlkampf setzen, dann wird dies wieder nach hinten losgehen.

    Biden kann nicht primär auf die von dir erwähnten Attribute aufbauen, auch wenn vieles davon zutrifft. Die Obama-Legacy ist jetzt auch nicht gerade das Grüne vom Ei und es gab sowohl von rechts (schon immer) und vor allem bei seinem 2. Term auch viel Kritik von links.

    Die Arbeiter- und Arbeitslosen-Klasse in den USA brauchen eine bessere soziale Absicherung. Ich denke, es wird einer aus den vier die ich vorher erwähnt habe. Sollte es nicht Warren oder Sanders sein, so hoffe ich, dass sie wenigstens über die Primaries, die anderen Kandidaten zumindest ein wenig nach links rücken.

    Biden muss sein politisches Profil schärfen und den Wählern klar vermitteln wie er zu den am breitesten diskutierten Themen bei der demokratischen Basis steht. Medicare für alle, Mindestlöhne, Klimawandel. Gerade beim letzten Punkt setze ich dickes Fragezeichen. Ebenfalls machen mir Bidens aussenpolitische Positionen zum Nahostkonflikt etwas Sorgen. Lusti, was meinst du, in welcher klassischen Schweizer Partei wäre Biden? Linker Flügel FDP? Oder in der bürgerlichen Ecke der Sozialdemokratie?
    Geändert von Konter (22.02.2019 um 14:08 Uhr)
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  7. #427
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    Zitat Zitat von Konter Beitrag anzeigen
    Die 3-4 ernsthaften Kandidaten werden dann wohl Biden, Harris, Warren und Sanders sein. Also auf diese Primaries wäre ich dann mal gespannt. Zum ersten mal, seit ich Politik verfolge, wäre es dann nämlich der Fall, dass es mehr als einen Sozialdemokraten im Rennen der demokratischen Primaries hat. [...]

    Von Bloomberg und Schultz halte ich nicht viel, die Milliardäre hatten jetzt genug Zeit in Washington. Jetzt wird es mal an der Zeit, dass nicht primär nach Kapitalkraft, sondern nach politischen Ansichten und Beliebtheit bei der demokratischen Basis aufgestellt wird.
    Die zwei kannst du nun aber wirklich nicht im gleichen Atemzug nennen.

    Bloomberg ist wohl offensichtlich einer der ernsthaften Kandidaten... er hat fuer 2020 bereits $500M versprochen: wenn nicht fuer seine eigene Kampagne, dann fuer andere Demokraten (auch fuer Rennen um den Kongress). Das kommt zu den $65M, die er 2016 gespendet hat, und den fast $100M fuer Kongressabgeordnete (und demokratische Interessen wie den Klimawandel und Regulierung von Schusswaffen) von 2018. Das ist nicht ein Milliardaer, der gestern das Interesse an der Politik entdeckt hat und meint, er koenne das auch einfach so.

    Bloomberg hat 12 Jahre Erfahrung als Buergermeister von New York: 2002-2014. Er begann nicht mit besonders hoher Zustimmung, die dann aber laufend gestiegen ist. Die Stadt hat sich in diesen Jahren enorm zum Besseren geaendert: so hat er z.B. gross gegen das organisierte Verbrechen gekaempft. Die Stadt hat es dann auch geschafft, weiter zu wachsen -- und Nachbarschaften die gerade mal wegen der Strassenprostitution bekannt waren, sind heute Zentren von Kultur und Wirtschaft. Er hat den Klimawandel lokal bekaempft und mit einer Kampagne den CO2 Ausstoss der Stadt in 6 Jahren um 20% gesenkt (trotz Wirtschaftswachstum), ein grosses Budgetdefizit bekaempft und einen Ueberschuss erziehlt (auch mittels hoeherer Grundstuecksteuer), usw. Nebenbei ist er 2007 aus der Republikanischen Partei ausgetreten und wurde als unabhaengiger Kandidat wiedergewaehlt.

    Im Vergleich zu den Leuten, die einfach mal laut rumbruellen und versprechen, was ja immer einfach ist, kann er immerhin aufzeigen, dass er etwas erreicht hat.

    Sanders Auftakt, war ja schonmal nicht von schlechten Eltern.
    Ich bekomme ziemlich schlechten fundraising spam von ihm, obwohl ich mich nie bei seiner Webseite registriert habe (auch wenn es das im Email behauptet). Keine Ahnung, wer fuer diese Kampagnen verantwortlich ist, aber hoffe, dass da andersweitig mehr serioes gearbeitet wird. Gab ja letztens auch Aufrufe, wegen sexueller Belaestigung (nicht durch ihn) in seiner Kampagne. Kommt natuerlich ueberall vor, aber scheinbar gab es keine Mechanismen, dies zu melden. Qualitaetskontrolle ist bei jedem Arbeitgeber wichtig, so auch in einer Kampagne.

    Zitat Zitat von Konter Beitrag anzeigen
    Medicare für alle, Mindestlöhne, Klimawandel. Gerade beim letzten Punkt setze ich dickes Fragezeichen. Ebenfalls machen mir Bidens aussenpolitische Positionen zum Nahostkonflikt etwas Sorgen. Lusti, was meinst du, in welcher klassischen Schweizer Partei wäre Biden? Linker Flügel FDP? Oder in der bürgerlichen Ecke der Sozialdemokratie?
    Das Problem bezueglich Mindestloehnen und Medicare for all ist, dass sie super toenen, aber vollkommen idiotisch sind.

    Beispiel Mindestlohn: Mit $15/Std kommst du in San Francisco nicht besonders weit: ein Zimmer in einer WG mit 5 anderen Leuten kostet dich problemlos $3,000 pro Monat, oder $36,000 pro Jahr. In Detroit kannst du fuer $10,000 ein 4-Zimmer Haus kaufen. Hier einen uniformen Mindestlohn einzufuehren waere ja etwa so als haette man einen EU Mindestlohn, der fuer Schweden und Bulgarien zaehlt. Darum ist auch niemand so dumm, dies in der EU zu fordern. Mindestloehne auf Ebene der Bundesstaaten und auf Ebene der einzelnen Staedte gibt es schon lange... und die passen sich eben auch den Gegebenheiten an: hoeher in Seattle als in Birmingham.

    Beispiel Medicare for all: Medicare (und Medicaid: gratis Krankenkasse fuer Arme, nebenbei mit 0 Franken Selbstbehalt, selbst fuer eine Kopfschmerztablette -- besser als in der Schweiz!) setzt die Preise fuer Behandlungen fest. Diese liegen aber oft unter den tatsaechlichen Kosten, die Aerzte und Spitaeler haben. Will heissen: wenn genuegend Patienten mit staatlicher Versicherung kommen, muessen Spitaeler neue Patienten ablehnen oder muessen bald die Tueren schliessen. Denn sie muessen den Privatversicherten hoehere Preise berechnen, um die Kosten tragen zu koennen. Alle grossen Krankenkassen und Spitaelern in den USA sind nebenebei non-profits (also gemeinnuetzige Organisationen), auch dies anders als in der Schweiz.

    Klar kann man gute Leistungen zu tiefen Preisen anbieten, wenn man die Kosten nicht deckt und so auf andere abwaelzen kann. Das funktioniert aber auch nur solange es Privatversicherte gibt, die diese Kosten dann zahlen. Schlussendlich ist es einfach nur logisch, dass nicht jeder unter den Kosten konsumieren kann. Dazu kommt, dass ohne finanzielle Anreize, wirklich auch verschwaenderisch umgegangen wird. So ist die no-show rate bei Medicaid Patienten in einem Spital, welches die Zahlen veroeffentlicht hat, rund 40%. Will heissen: von 10 Leuten mit einem Spitaltermin kreuzen 4 einfach nicht auf, ohne abzusagen. Kostet sie ja nichts... aber so geht man eben auch nicht sparsam mit limitierten Ressourcen um.

    Selbst beim Klimawandel sind Versprechen immer einfach, Taten schon haerter. Siehe z.B. die Gelbvesten, die gegen eine hoehere Benzinsteuer protestieren. Und diese Benzinsteuern sind ein Bruchteil, was notwendig ist: bist du bereit, den doppelten Preis fuer Heizoel zu bezahlen, um die notwendingen finanziellen Anreize zu schaffen? Was bei einem Haushalt, der schon heute knapp ueber die Runden kommt? Gegen Renovationen bei Gebaeuden gibt es ja auch regen Widerstand, weil dann die Mieten steigen (und kein Besitzer macht grosse Investitionen, ohne dafuer eine Rendite zu erhalten). Einzelne Deutsche Staedte werden nun Dieselfahrzeuge verbieten. Dann kannst du der Arbeiterklasse erklaeren, warum ihr 10,000.- Auto nun ploetzlich wertlos ist (will ja niemand mehr kaufen) und warum sie nun ein neues Auto kaufen muessen. Die haben das Geld ja auf der Kante... und selbst Projekte, die nun wirklich grossen Nutzen generieren -- wie z.B. Windanlagen -- muessen sich dann waehrend Jahren mit teuren Gerichtsprozessen abschlagen, weil sie dem Landschaftsbild schaden.

    Und all dies ist, wenn wir optimistisch sein wollen, das Minimum um auch nur 10% des Ziels zu erreichen. Wenn wir alle Benzinautos, selbst in Westeuropa, bis 2030 von der Strasse haben wollten, dann duerften wie die ab heute gar nicht mehr verkaufen. Kann ja jeder selber nachschauen, wie teuer ein Elektroauto ist: das kann sich der Mittelstand in der Schweiz schon nicht leisten, geschweige denn in Indien und China.
    Geändert von Soriak (24.02.2019 um 17:38 Uhr)

  8. #428
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    Zitat Zitat von Soriak Beitrag anzeigen
    Bloomberg hat 12 Jahre Erfahrung als Buergermeister von New York: 2002-2014. Er begann nicht mit besonders hoher Zustimmung, die dann aber laufend gestiegen ist. Die Stadt hat sich in diesen Jahren enorm zum Besseren geaendert: so hat er z.B. gross gegen das organisierte Verbrechen gekaempft. Die Stadt hat es dann auch geschafft, weiter zu wachsen -- und Nachbarschaften die gerade mal wegen der Strassenprostitution bekannt waren, sind heute Zentren von Kultur und Wirtschaft. Er hat den Klimawandel lokal bekaempft und mit einer Kampagne den CO2 Ausstoss der Stadt in 6 Jahren um 20% gesenkt (trotz Wirtschaftswachstum), ein grosses Budgetdefizit bekaempft und einen Ueberschuss erziehlt (auch mittels hoeherer Grundstuecksteuer), usw. Nebenbei ist er 2007 aus der Republikanischen Partei ausgetreten und wurde als unabhaengiger Kandidat wiedergewaehlt.
    Ich bin bei dir, dass Schultz der viel schlimmere Präsident wäre. Aber eben, für mich braucht es vor allem nach Trump nicht noch einen weiteren Milliardär.

    Wieviel Anteil Bloomberg an der jüngsten Entwicklung von NYC hat ist fraglich, wenn man schaut, dass sich in der westlichen Hemisphäre urbane Zentren ab 90ern relativ ähnlich entwickelt haben (Stichwort Gentrifzierung). Ich meine, das sind enorm langwierige sozioökonomische Prozesse, die nicht einfach von der Politik eines Bürgermeisters gesteuert werden können. Es ist ein Trend der letzten Jahre, dass der gut situierte Mittelstand wieder lieber in der Stadt wohnt, während dem in den 50er/60er eben diese Klasse ins Umland einer Metropole zog, in den USA suburbs genannt, bei uns Agglos (Stichwort Landflucht).

    Und dieser Trend hat sich vor über 20 Jahren gedreht. Vor allem die 2. oder die 3. Generation dieser Mittelstandsklasse in den Vororten zieht es wieder vermehrt in die Stadt. Aber nicht nur sie selbst sondern eben auch viel Geld, was zu einer Aufwertung in urbanen Gebieten führte. Dieser Trend kann man in Kleinstädten wie Basel, Grossstädte wie Berlin oder in Metropolen wie NYC beobachten.

    Damit möchte ich nicht sagen, dass Bloomberg mit seiner Politik diese Entwicklung nicht förderte, aber ich verstehe die Gentrifizierung vor allem als ein sozioökonomisches und nicht rein politisches Phänomen.

    Und die Unterschicht ist ja wegen dieser Aufwertung nicht verschwunden, (was es eben zu einem echten sozialpolitischen Ereignis gemacht hätte) sondern eigentlich verdrängt und ist ironischerweise genau in die suburbanen Gegenden gezogen, aus denen die Mittelklasse wegzog (natürlich sehr plakativ ausgedrückt, natürlich gibt es auch in urbanen Zentren nach wie vor Unterschichten).

    Dies ist mitunter der Grund, weshalb die Kriminalität in US-Städten zwischen den 70er und 90er Jahren enorm hoch war und weshalb sie mit dem erneuten Zuzug einer bürgerlichen Klasse abnahm.

    Zitat Zitat von Soriak Beitrag anzeigen
    Ich bekomme ziemlich schlechten fundraising spam von ihm, obwohl ich mich nie bei seiner Webseite registriert habe (auch wenn es das im Email behauptet). Keine Ahnung, wer fuer diese Kampagnen verantwortlich ist, aber hoffe, dass da andersweitig mehr serioes gearbeitet wird. Gab ja letztens auch Aufrufe, wegen sexueller Belaestigung (nicht durch ihn) in seiner Kampagne. Kommt natuerlich ueberall vor, aber scheinbar gab es keine Mechanismen, dies zu melden. Qualitätskontrolle ist bei jedem Arbeitgeber wichtig, so auch in einer Kampagne.
    Sanders hat ja bereits angekündigt, dass man diesbezüglich dazugelernt habe und man nun entsprechende Mechanismen habe.

    Zitat Zitat von Soriak Beitrag anzeigen
    Das Problem bezueglich Mindestloehnen und Medicare for all ist, dass sie super toenen, aber vollkommen idiotisch sind.

    Beispiel Mindestlohn: Mit $15/Std kommst du in San Francisco nicht besonders weit: ein Zimmer in einer WG mit 5 anderen Leuten kostet dich problemlos $3,000 pro Monat, oder $36,000 pro Jahr. In Detroit kannst du fuer $10,000 ein 4-Zimmer Haus kaufen. Hier einen uniformen Mindestlohn einzufuehren waere ja etwa so als haette man einen EU Mindestlohn, der fuer Schweden und Bulgarien zaehlt. Darum ist auch niemand so dumm, dies in der EU zu fordern. Mindestloehne auf Ebene der Bundesstaaten und auf Ebene der einzelnen Staedte gibt es schon lange... und die passen sich eben auch den Gegebenheiten an: hoeher in Seattle als in Birmingham.
    Nun gut du bringst als Beispiel den teuersten Wohnungsmarkt an der Westküste (ganz USA?), das willst du als Argument gegen einen staatlichen Mindestlohn geltend machen? Und mit Verlaub, es ist nicht das Gleiche wie eine Mindestlohn in der EU. Die USA ist juristisch gesehen ein Bundesstaat und kein Staatenbund. Also wie die Schweiz und nicht wie die EU. Wenn es die USA nicht auf die Reihe kriegt innerhalb ihres Bundesstaates auch wirtschaftliche Randgebiete besser in den wirtschaftlichen Wohlstand eines ganzen Landes zu integrieren. dann ist dies ein gescheiterter Bundesstaat. Ich meine die Schweiz hat begriffen dass es für den nationalen Zusammenhalt gerade einer Willensnation wie der Schweiz oder der USA eine sozialistische Umverteilung von wirtschaftlich starken Regionen in wirtschaftliche Schwache braucht um dem Zusammenhalt im Land zu fördern. Natürlich bleiben auch hier bezüglich Wohnungsmarkt gerade wenn man urbane mit ländlichen Gegenden vergleicht Unterschiede bestehen, aber mit entsprechenden flankierenden Massnahmen kann man auch einen staatliche Mindestlohn einführen.

    Zitat Zitat von Soriak Beitrag anzeigen
    Beispiel Medicare for all: Medicare (und Medicaid: gratis Krankenkasse fuer Arme, nebenbei mit 0 Franken Selbstbehalt, selbst fuer eine Kopfschmerztablette -- besser als in der Schweiz!) setzt die Preise fuer Behandlungen fest. Diese liegen aber oft unter den tatsaechlichen Kosten, die Aerzte und Spitaeler haben. Will heissen: wenn genuegend Patienten mit staatlicher Versicherung kommen, muessen Spitaeler neue Patienten ablehnen oder muessen bald die Tueren schliessen. Denn sie muessen den Privatversicherten hoehere Preise berechnen, um die Kosten tragen zu koennen. Alle grossen Krankenkassen und Spitaelern in den USA sind nebenebei non-profits (also gemeinnuetzige Organisationen), auch dies anders als in der Schweiz.

    Klar kann man gute Leistungen zu tiefen Preisen anbieten, wenn man die Kosten nicht deckt und so auf andere abwaelzen kann. Das funktioniert aber auch nur solange es Privatversicherte gibt, die diese Kosten dann zahlen. Schlussendlich ist es einfach nur logisch, dass nicht jeder unter den Kosten konsumieren kann. Dazu kommt, dass ohne finanzielle Anreize, wirklich auch verschwaenderisch umgegangen wird. So ist die no-show rate bei Medicaid Patienten in einem Spital, welches die Zahlen veroeffentlicht hat, rund 40%. Will heissen: von 10 Leuten mit einem Spitaltermin kreuzen 4 einfach nicht auf, ohne abzusagen. Kostet sie ja nichts... aber so geht man eben auch nicht sparsam mit limitierten Ressourcen um.
    Ich muss ehrlich sagen, ich bin auf dem Gebiet Krankenversicherung in den USA ziemlich schlecht informiert. Deshalb kann ich auf deine Replik nicht wirklich eingehen, aber was du schreibst, macht natürlich alles Sinn. Sowie ich es beurteile, beziehen sich diejenigen, die eine Healtcare-Reform wollen (allen voran Sanders) häufig auf das skandinavische Modell.

    Zitat Zitat von Soriak Beitrag anzeigen
    Selbst beim Klimawandel sind Versprechen immer einfach, Taten schon haerter. Siehe z.B. die Gelbvesten, die gegen eine hoehere Benzinsteuer protestieren. Und diese Benzinsteuern sind ein Bruchteil, was notwendig ist: bist du bereit, den doppelten Preis fuer Heizoel zu bezahlen, um die notwendingen finanziellen Anreize zu schaffen? Was bei einem Haushalt, der schon heute knapp ueber die Runden kommt? Gegen Renovationen bei Gebaeuden gibt es ja auch regen Widerstand, weil dann die Mieten steigen (und kein Besitzer macht grosse Investitionen, ohne dafuer eine Rendite zu erhalten). Einzelne Deutsche Staedte werden nun Dieselfahrzeuge verbieten. Dann kannst du der Arbeiterklasse erklaeren, warum ihr 10,000.- Auto nun ploetzlich wertlos ist (will ja niemand mehr kaufen) und warum sie nun ein neues Auto kaufen muessen. Die haben das Geld ja auf der Kante... und selbst Projekte, die nun wirklich grossen Nutzen generieren -- wie z.B. Windanlagen -- muessen sich dann waehrend Jahren mit teuren Gerichtsprozessen abschlagen, weil sie dem Landschaftsbild schaden.

    Und all dies ist, wenn wir optimistisch sein wollen, das Minimum um auch nur 10% des Ziels zu erreichen. Wenn wir alle Benzinautos, selbst in Westeuropa, bis 2030 von der Strasse haben wollten, dann duerften wie die ab heute gar nicht mehr verkaufen. Kann ja jeder selber nachschauen, wie teuer ein Elektroauto ist: das kann sich der Mittelstand in der Schweiz schon nicht leisten, geschweige denn in Indien und China.
    Ich denke hier muss man viel grundlegender ansetzen als beim Konsumenten. Weshalb ist das Benzinauto noch günstiger als das Elektroauto? Weil die Ölindustrie eine über Jahre gewachsene (auch dank enormen staatlichen Leistungen vor allem in den Anfangszeiten, dieser Art der Energiegewinnung) technologische Institution mit enormen Reichtum und enormen politischen Einfluss wurde. Würde man seit Jahren ähnliche politische Investments vor allem in Infrastruktur und Forschung für erneuerbare Energien tätigen, würde das mit grüner Energie aufgeladenen Elektroauto massiv günstiger werden. Ich meine das Automobil mit Verbrennungsmotor war auch nicht von heute auf Morgen ein Massenprodukt.

    Es braucht für die Bekämpfung des Klimawandels eine technologische Revolution, welche politisch oder privat gesponsert werden muss, damit die entsprechende Dienstleistungen auch mit der Zeit massentauglich werden. Genauso wie es mit dem Verbrennungsmotor geschehen ist. Das Problem ist, dass die Öl-Lobby so fett in Washington drin sitzt und jetzt dank Trump noch mehr.
    Geändert von Konter (25.02.2019 um 11:04 Uhr)
    Nid füre Lohn, für d'Region

  9. #429
    Erfahrener Benutzer Avatar von Soriak
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    Zitat Zitat von Konter Beitrag anzeigen
    Ich bin bei dir, dass Schultz der viel schlimmere Präsident wäre. Aber eben, für mich braucht es vor allem nach Trump nicht noch einen weiteren Milliardär.
    Nur weil einer viel Geld hat, ist er nicht automatisch gut oder schlecht. Zudem scheint Trump ja meist ueber sein Vermoegen zu luegen... also ein echter Milliardaer waere wohl trotzdem etwas neues. Dazu kommt, das Bloomberg kein Familienunternehmen gegruendet hat oder gross Geld geerbt hat, sondern einen globalen Informationsdienst aufgebaut hat. Ich will nicht sagen "von nichts," -- laut Wikipedia hatte er als Investment Banker rund $10 Millionen Vermoegen aufgebaut. Aber von $10 Millionen auf $50 Milliarden nach rund $10 Milliarden Spenden kommt auch nicht von nichts. Bloomberg News ist ja kein Unternehmen, welches irgendwie ein Monopol misbraucht oder die Umwelt zertstoert. Das bringt Leuten tatsaechlichen Nutzen in einem sehr kompetitiven Markt.

    Wieviel Anteil Bloomberg an der jüngsten Entwicklung von NYC hat ist fraglich, wenn man schaut, dass sich in der westlichen Hemisphäre urbane Zentren ab 90ern relativ ähnlich entwickelt haben (Stichwort Gentrifzierung).
    Klar kann man ihn nicht alleine fuer irgendetwas verantwortlich machen. Aber ich glaube es ist ein gutes Zeichen, dass er selbst als Republikaner die Steuern anhob (und dabei gegen seine eigene Partei kaempfte) und die Partei verlies, als sie ihm zu extremistisch wurde. Zudem nutzt er, wie gesagt, sein privates Vermoegen auch dazu, Probleme wie den Klimawandel zu bekaempfen -- er hat diese also nicht erst gestern entdeckt, weil es zum Thema wurden.

    Ich weiss nicht, ob er wirklich eine Chance haben wird. Aber wird sich dann ja bei den ersten Debatten zeigen. Aber Reichtum alleine kann kein Kriterium sein, ob gut oder schlecht.

    Nun gut du bringst als Beispiel den teuersten Wohnungsmarkt an der Westküste (ganz USA?), das willst du als Argument gegen einen staatlichen Mindestlohn geltend machen? Und mit Verlaub, es ist nicht das Gleiche wie eine Mindestlohn in der EU. Die USA ist juristisch gesehen ein Bundesstaat und kein Staatenbund. Also wie die Schweiz und nicht wie die EU. Wenn es die USA nicht auf die Reihe kriegt innerhalb ihres Bundesstaates auch wirtschaftliche Randgebiete besser in den wirtschaftlichen Wohlstand eines ganzen Landes zu integrieren. dann ist dies ein gescheiterter Bundesstaat. Ich meine die Schweiz hat begriffen dass es für den nationalen Zusammenhalt gerade einer Willensnation wie der Schweiz oder der USA eine sozialistische Umverteilung von wirtschaftlich starken Regionen in wirtschaftliche Schwache braucht um dem Zusammenhalt im Land zu fördern. Natürlich bleiben auch hier bezüglich Wohnungsmarkt gerade wenn man urbane mit ländlichen Gegenden vergleicht Unterschiede bestehen, aber mit entsprechenden flankierenden Massnahmen kann man auch einen staatliche Mindestlohn einführen.
    Es gibt natuerlich politische Unterschiede zwischen der EU und den USA... aber das macht oekonomisch wenig Unterschied. Der Mindestlohn, den z.B. Sanders fordert, ist gleich dem Mindestlohn, der in Seattle eingefuehrt wird. Wie gesagt, man kann einen solchen Mindestlohn in Seattle gut oder schlecht finden... aber klar ist, dass er in einer Kleinstadt von 30,000 Leuten einfach zu vielen Arbeitslosen fuehren wuerde. Das kann sich z.B. kein kleines Restaurant leisten, wo du ein frischgekochtes Mittagessen fuer weniger als $10 bekommst und du $300 pro Monat Miete zahlst. Die Preise sind dort eben allgemein sehr viel tiefer, womit man einfach weniger Geld zum Ueberleben braucht.

    Nebenbei finde ich den Vergleich Schweden und Bulgarien trotzdem ziemlich treffend. Wenn man sich z.B. einmal Kentucky oder Alabama anschaut, dann glaubt man oft nicht, dass man in einem der reichsten Laender der Welt ist. Da lassen sich Ressourcen auch nicht einfach umverteilen -- das machen die USA naemlich noch mehr als die Schweiz: die meisten Gelder gehen an den Bund und werden dann auf die Bundesstaaten umverteilt. Aber es ist nunmal nicht einfach, in der Mitte eines grossen Landes mit einer weitgehend wenig gebildeten Bevoelkerung einen grossen wirtschaftlichen Aufschwung zu erziehlen. Es braucht meist eine gewisse Bevoelkerungsdichte. Mit der Schweiz kann man das nicht vergleichen: innerhalb von einer Stunde Zugfahrt ist man ja gleich in einem Zentrum. Die Leute, die es zu etwas bringen wollen, gehen nach dem Studium an eine der Kuesten. Man muss sich also mit den zurueckgebliebenen Leuten abschlagen.

    Das ist alles ein grosses soziales Problem, das sich nicht so einfach mit einem Mindestlohn loesen laesst. Der haette eben einfach zur Folge, dass Kleinunternehmen die Tore schliessen muessten und es noch mehr Arbeitslose gaebe. Geholfen wird damit niemandem. (Nebenbei sei angemerkt, dass die Schweiz ja auch keinen Mindestlohn hat.)

    Sowie ich es beurteile, beziehen sich diejenigen, die eine Healtcare-Reform wollen (allen voran Sanders) häufig auf das skandinavische Modell.
    Das Problem an dieser Diskussion in den USA ist, dass niemand konkret sein will. Das natuerlich weil jeder halbwegs vernuenftige Politiker weiss, dass es extrem kompliziert ist. Die USA geben etwa so viel Geld fuer ihr Gesundheitssystem aus, wie die ganze wirtschaftliche Leistung von Frankreich. Klar braucht es Reformen, aber einfache Loesungen gibt es garantiert keine... in den Worten von Trump: "Nobody knew healthcare could be this complicated!"

    Es braucht für die Bekämpfung des Klimawandels eine technologische Revolution, welche politisch oder privat gesponsert werden muss, damit die entsprechende Dienstleistungen auch mit der Zeit massentauglich werden.
    Das geschieht ja bereits -- und schon mindestens seit 20 Jahren. Aber das Problem ist doch, dass es nicht schnell genug geht. Wenn eine Technologie einmal an einer Uni entwickelt wurde, geht es meist rund 10 Jahre, bis sie in einem ersten Produkt auf den Markt kommt. Dann geht es nochmals 10 Jahre, bis die Preise fuer den durchschnittlichen Konsumenten erschwinglich werden. Und dann geht es nochmals 5-10 Jahre, bis das Produkt weit verbreitet ist.

    Man kann (und muss) wirtschaftliche Anreize setzen, um den CO2 Ausstoss zu vermindern. Dies wuerde tatsaechlich die Unternehmen treffen, die dann mehr Anreize haetten, ihren Ausstoss zu verringern. (Wenn SVP und FDP hier von "freiwillig" sprechen, ist das ganz einfach nur unehrlich. In jedem einigermassen gut funktionierenden Markt wuerden einem die Konkurrenten das Geschaeft stehlen, wenn man sich einfach selber mehr Kosten auferlegt. Kann prinzipiell nicht funktionieren.) Aber: das kostet dann natuerlich auch die Konsumenten mehr. Kosten werden je nach Marktmacht des Unternehmens zwischen den Konsumenten und dem Unternehmen geteilt. Ich wuerde hier nicht einfach annehmen, dass es dann keinen massiven politischen Wiederstand (auch von links) geben wird.

    Und der Staat kann natuerlich noch mehr in die Forschung investieren... aber es wird ja bereits viel investiert. Private Anleger investieren rund $300 Milliarden Dollar pro Jahr in Solarenergie und man hat es auf rund 10% der Stromproduktion geschafft. Da fehlen also noch zehntausende Milliarden: nicht gerade Wechselgeld. Mehr Geld alleine wird es auch nicht tun: man kann ja nicht den Kohleminenarbeiter zum Solarforscher umtrainieren... es gibt einfach nur begrenzt viele Leute, die das noetige Training haben und nur begrenzt viele Fabriken, die die panels dann herstellen koennen. China zeigt ja beispielhaft, wie man in erneuerbare Energien investieren kann... und trotzdem gibt es Kapazitaetsengpaesse.

  10. #430
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    Zitat Zitat von Soriak Beitrag anzeigen
    Nur weil einer viel Geld hat, ist er nicht automatisch gut oder schlecht. Zudem scheint Trump ja meist ueber sein Vermoegen zu luegen... also ein echter Milliardaer waere wohl trotzdem etwas neues. Dazu kommt, das Bloomberg kein Familienunternehmen gegruendet hat oder gross Geld geerbt hat, sondern einen globalen Informationsdienst aufgebaut hat. Ich will nicht sagen "von nichts," -- laut Wikipedia hatte er als Investment Banker rund $10 Millionen Vermoegen aufgebaut. Aber von $10 Millionen auf $50 Milliarden nach rund $10 Milliarden Spenden kommt auch nicht von nichts. Bloomberg News ist ja kein Unternehmen, welches irgendwie ein Monopol misbraucht oder die Umwelt zertstoert. Das bringt Leuten tatsaechlichen Nutzen in einem sehr kompetitiven Markt.


    Klar kann man ihn nicht alleine fuer irgendetwas verantwortlich machen. Aber ich glaube es ist ein gutes Zeichen, dass er selbst als Republikaner die Steuern anhob (und dabei gegen seine eigene Partei kaempfte) und die Partei verlies, als sie ihm zu extremistisch wurde. Zudem nutzt er, wie gesagt, sein privates Vermoegen auch dazu, Probleme wie den Klimawandel zu bekaempfen -- er hat diese also nicht erst gestern entdeckt, weil es zum Thema wurden.

    Ich weiss nicht, ob er wirklich eine Chance haben wird. Aber wird sich dann ja bei den ersten Debatten zeigen. Aber Reichtum alleine kann kein Kriterium sein, ob gut oder schlecht.
    Da bin ich voll und ganz bei dir. Nur ist das Problem, dass im politisch-medialen Diskurs der USA eben genau dieser Denkfehler gemacht wird. Reichtum wird mit "fähig" und finanz- und wirtschaftspolitischem Know-How verbunden. Sanders hat es schon richtig gesagt, als er zu Schultz befragt wurde.

    Schultz hat von Tuten und Blasen keine Ahnung aber praktisch alle demokratische Kandidaten werden von den Medien befragt, wie sie dazu stehen, dass ein Milliardär sie in ihrem demokratischen Prozess erpresst. Echte demokratische Kandidaten erhalten so gut wie keine Air-Time aber statt dass die Medien diesem Schultz diejenige Aufmerksamkeit geben die er verdient, nämlich gar keine, schenken sie im TV-Zeit (die er sich sehr wahrscheinlich eingekauft hat).

    Bloomberg scheint kein schlechter Mann zu sein und es wäre bereits ein Segen, wenn er die Präsidentschaft von Trump übernehmen würde. Ich kann verstehen, dass für viele wirtschafts- und gesellschaftsliberal gesinnte Menschen Bloomberg ein hervorragender Kandidat. Oder sagen wir es so. Ich hätte auch lieber Georg Kreis statt Petra Gössi als Präsidenten der FDP, das macht ihn für mich aber nicht zu einem wählbaren Kandidaten .

    Zitat Zitat von Soriak Beitrag anzeigen
    Es gibt natuerlich politische Unterschiede zwischen der EU und den USA... aber das macht oekonomisch wenig Unterschied. Der Mindestlohn, den z.B. Sanders fordert, ist gleich dem Mindestlohn, der in Seattle eingefuehrt wird. Wie gesagt, man kann einen solchen Mindestlohn in Seattle gut oder schlecht finden... aber klar ist, dass er in einer Kleinstadt von 30,000 Leuten einfach zu vielen Arbeitslosen fuehren wuerde. Das kann sich z.B. kein kleines Restaurant leisten, wo du ein frischgekochtes Mittagessen fuer weniger als $10 bekommst und du $300 pro Monat Miete zahlst. Die Preise sind dort eben allgemein sehr viel tiefer, womit man einfach weniger Geld zum Ueberleben braucht.

    Nebenbei finde ich den Vergleich Schweden und Bulgarien trotzdem ziemlich treffend. Wenn man sich z.B. einmal Kentucky oder Alabama anschaut, dann glaubt man oft nicht, dass man in einem der reichsten Laender der Welt ist. Da lassen sich Ressourcen auch nicht einfach umverteilen -- das machen die USA naemlich noch mehr als die Schweiz: die meisten Gelder gehen an den Bund und werden dann auf die Bundesstaaten umverteilt. Aber es ist nunmal nicht einfach, in der Mitte eines grossen Landes mit einer weitgehend wenig gebildeten Bevoelkerung einen grossen wirtschaftlichen Aufschwung zu erziehlen. Es braucht meist eine gewisse Bevoelkerungsdichte. Mit der Schweiz kann man das nicht vergleichen: innerhalb von einer Stunde Zugfahrt ist man ja gleich in einem Zentrum. Die Leute, die es zu etwas bringen wollen, gehen nach dem Studium an eine der Kuesten. Man muss sich also mit den zurueckgebliebenen Leuten abschlagen.

    Das ist alles ein grosses soziales Problem, das sich nicht so einfach mit einem Mindestlohn loesen laesst. Der haette eben einfach zur Folge, dass Kleinunternehmen die Tore schliessen muessten und es noch mehr Arbeitslose gaebe. Geholfen wird damit niemandem. (Nebenbei sei angemerkt, dass die Schweiz ja auch keinen Mindestlohn hat.)
    In Bezug auf die Grösse scheint der Vergleich mit der EU auf den ersten Blick schon nachvollziehbar, aber seien wir ehrlich, weder mit der Schweiz (auf Grund der Grösse) noch mit der EU (auf Grund des politischen Systems) machen die Vergleiche wirklich viel Sinn.

    Die Realität ist, dass die USA das wohlhabendste Land der Welt ist, aber wenn man sich weite Teile dieses Landes anschaut, sieht man das nicht wirklich. Aber man muss sich nicht wundern, wenn in den letzten nicht mal 20 Jahren 4.6 Billionen Dollar für den Krieg gegen den Terror verlocht wurden (laufende Kosten). Man stelle sich vor wie viel Einwohner des mittleren Westen sich damit das leicht teuer werdende Essen im Resti wegen des staatlichen Mindestlohnes leisten können, wenn schon nur 1/4 dieses Geldes beispielsweise in öffentliche Bildungsinstitutionen im mittleren Westen gegangen wäre...Und ja es ist nicht der Mindestlohn der dies einfach regeln kann. Zuerst einmal müssen viel grundlegendere Massnahmen getroffen werden, wie eben der Ausbau staatlich finanzierter Bildung. Zuerst braucht es die flankierenden Massnahmen, dann kann ein staatlicher Mindestlohn eingeführt werden.


    Zitat Zitat von Soriak Beitrag anzeigen
    Das Problem an dieser Diskussion in den USA ist, dass niemand konkret sein will. Das natuerlich weil jeder halbwegs vernuenftige Politiker weiss, dass es extrem kompliziert ist. Die USA geben etwa so viel Geld fuer ihr Gesundheitssystem aus, wie die ganze wirtschaftliche Leistung von Frankreich. Klar braucht es Reformen, aber einfache Loesungen gibt es garantiert keine... in den Worten von Trump: "Nobody knew healthcare could be this complicated!"
    Zweifelsohne ein höchst populistisches Thema, dass 2016 nicht nur von Sanders sondern auch von Trump bedient wurde. Jetzt liegt es doch vor allem an den demokratischen Primaries hier konkrete Lösungsvorschläge zu bringen. Wie du korrekt erwähnst, es herrscht Reformbedarf.

    Zitat Zitat von Soriak Beitrag anzeigen
    Das geschieht ja bereits -- und schon mindestens seit 20 Jahren. Aber das Problem ist doch, dass es nicht schnell genug geht. Wenn eine Technologie einmal an einer Uni entwickelt wurde, geht es meist rund 10 Jahre, bis sie in einem ersten Produkt auf den Markt kommt. Dann geht es nochmals 10 Jahre, bis die Preise fuer den durchschnittlichen Konsumenten erschwinglich werden. Und dann geht es nochmals 5-10 Jahre, bis das Produkt weit verbreitet ist.

    Man kann (und muss) wirtschaftliche Anreize setzen, um den CO2 Ausstoss zu vermindern. Dies wuerde tatsaechlich die Unternehmen treffen, die dann mehr Anreize haetten, ihren Ausstoss zu verringern. (Wenn SVP und FDP hier von "freiwillig" sprechen, ist das ganz einfach nur unehrlich. In jedem einigermassen gut funktionierenden Markt wuerden einem die Konkurrenten das Geschaeft stehlen, wenn man sich einfach selber mehr Kosten auferlegt. Kann prinzipiell nicht funktionieren.) Aber: das kostet dann natuerlich auch die Konsumenten mehr. Kosten werden je nach Marktmacht des Unternehmens zwischen den Konsumenten und dem Unternehmen geteilt. Ich wuerde hier nicht einfach annehmen, dass es dann keinen massiven politischen Wiederstand (auch von links) geben wird.

    Und der Staat kann natuerlich noch mehr in die Forschung investieren... aber es wird ja bereits viel investiert. Private Anleger investieren rund $300 Milliarden Dollar pro Jahr in Solarenergie und man hat es auf rund 10% der Stromproduktion geschafft. Da fehlen also noch zehntausende Milliarden: nicht gerade Wechselgeld. Mehr Geld alleine wird es auch nicht tun: man kann ja nicht den Kohleminenarbeiter zum Solarforscher umtrainieren... es gibt einfach nur begrenzt viele Leute, die das noetige Training haben und nur begrenzt viele Fabriken, die die panels dann herstellen koennen. China zeigt ja beispielhaft, wie man in erneuerbare Energien investieren kann... und trotzdem gibt es Kapazitaetsengpaesse.
    Bin mit deiner Analyse hier eigentlich ziemlich einverstanden, schön formuliert. Zeigt auf, wie schwierig dieses Thema zu lösen ist, wenn bereits alle Parteien eingesehen haben, dass es etwas zu tun gibt, was es ja im Prinzip noch frustrierender macht, dass der aktuelle Präsident sowie zahlreiche wichtige Vertreter der republikanischen Partei nach wie vor den Einfluss des Menschen auf den Klimawandel konsequent leugnen. Was dann wiederum dazu führt, dass sich irgend ein Redneck dazu berufen fühlt seinen Truck so umzubauen, dass er noch mehr CO2 ausstösst. Aber da wären wir wieder beim vorigen Thema der lausig finanzierten öffentlichen Bildung im mittleren Westen.
    Geändert von Konter (25.02.2019 um 15:15 Uhr)
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  11. #431
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    Zitat Zitat von Konter Beitrag anzeigen
    Schultz hat von Tuten und Blasen keine Ahnung aber praktisch alle demokratische Kandidaten werden von den Medien befragt, wie sie dazu stehen, dass ein Milliardär sie in ihrem demokratischen Prozess erpresst. Echte demokratische Kandidaten erhalten so gut wie keine Air-Time aber statt dass die Medien diesem Schultz diejenige Aufmerksamkeit geben die er verdient, nämlich gar keine, schenken sie im TV-Zeit (die er sich sehr wahrscheinlich eingekauft hat).
    Schultz ist interessant fuer die Medien, weil er ein bekanntes Unternehmen leitet, waehrend viele andere demokratische Kandidaten einfach langweilig und unbekannt sind (Sanders ausgenommen). Aber die Berichterstattung ueber ihn scheint mir ziemlich negativ: hilft ihm also kaum. Die Wahlen sind sowieso erst in 20 Monaten. Die meisten Kandidaten werden vor Ende des Jahres wieder verschwunden sein.

    Ganz lange Medienberichterstattung ist sowieso nicht im Interesse des Kandidaten. Wenn man auch nur ein bisschen bekannt ist, dann kann es nur schlecht gehen: bei hunderten von Interviews macht man einmal eine dumme Aussage und die hat dann 10 Millionen hits auf YouTube.

    In Bezug auf die Grösse scheint der Vergleich mit der EU auf den ersten Blick schon nachvollziehbar, aber seien wir ehrlich, weder mit der Schweiz (auf Grund der Grösse) noch mit der EU (auf Grund des politischen Systems) machen die Vergleiche wirklich viel Sinn.

    Die Realität ist, dass die USA das wohlhabendste Land der Welt ist, aber wenn man sich weite Teile dieses Landes anschaut, sieht man das nicht wirklich. Aber man muss sich nicht wundern, wenn in den letzten nicht mal 20 Jahren 4.6 Billionen Dollar für den Krieg gegen den Terror verlocht wurden (laufende Kosten). Man stelle sich vor wie viel Einwohner des mittleren Westen sich damit das leicht teuer werdende Essen im Resti wegen des staatlichen Mindestlohnes leisten können, wenn schon nur 1/4 dieses Geldes beispielsweise in öffentliche Bildungsinstitutionen im mittleren Westen gegangen wäre...Und ja es ist nicht der Mindestlohn der dies einfach regeln kann. Zuerst einmal müssen viel grundlegendere Massnahmen getroffen werden, wie eben der Ausbau staatlich finanzierter Bildung. Zuerst braucht es die flankierenden Massnahmen, dann kann ein staatlicher Mindestlohn eingeführt werden.
    Lustigerweise sind die grossen Militaerausgaben einen Teil der Umverteilung: die Produktion der Armee und die grossen Militaerbasen sind praktisch alle in diesen desolaten Gegenden. Wenn die Armee dort verschwindet, koennen sie gleich ganz dicht machen.

    Aber die USA geben pro Jahr rund eine Billion fuer soziale Wohlfart aus (z.B. Krankenkasse fuer Arme und Geld fuer Lebensmittel). Dazu kommen 1.3 Billionen AHV Zahlungen (und Medicare: Krankenkasse fuer die Alten). Ueber 20 Jahre sind das also rund 50 Billionen Dollar. Ich wuerde also nicht unbedingt glauben, dass ein paar Dollar mehr hier einen riesen Unterschied machen wuerden. Gesamt kostet das Gesundheitssystem pro Jahr 3.5 Billionen (oder 70 Billionen ueber 20 Jahre).

    Sind einfach alles riesen Betraege. Ist etwa wie wenn man sich ueber Loehne bei CEOs aufregt... und wenn man den Lohn auf alle Angestellten verteilen wuerde, haette jeder eine Lohnerhoehung von $5 pro Monat. An Unis haben wir das gleiche Problem, wenn sich Leute ueber den Millionenlohn des Praesidenten aufregen. Jemand, der ein Budget von ein paar Milliarden Dollar verwaltet und hunderte Millionen an Spenden auftreibt.

    Nebenbei bin ich ja auch kein Freund von Ausgaben fuer die Armee, aber das US Militaer hat schon eine etwas andere Aufgabe als z.B. die Armee in der Schweiz. So traegt sie, trotz fehlerhaften Interventionen, zu einer gewissen globalen Stabilitaet bei. Und wenn sie ausbleibt, dann geht es auch nicht unbedingt besser: Syrien hat rund 400,000 Tote und Millionen auf der Flucht. Und der konsequentenlose Einsatz von chemischen Waffen gegen die Zivilbevoelkerung setzt nun auch nicht die besten Anreize fuer andere Nationen. Dann haben wir Instabilitaet in der Turkei... eine geschwaechte USA sind fuer Europa und den Westen allgemein wohl kaum foerderlich.

    Bezueglich Bildungsausgaben: die oeffentliche Bildung in den USA ist nicht unbedingt so teuer. Ja, ein paar tausend Dollar pro Jahr an einer oeffentlichen Uni ist mehr als in der Schweiz, aber wenn man etwas vernuenftiges studiert, zahlt sich das von selbst. Private Unis haben einen hohen Preis, den aber die wenigsten zahlen. Mir gefaellt dieses Finanzierungssystem eigentlich sehr. An Harvard zahlt man z.B. gar nichts, wenn die Eltern weniger als $100,000 (oder so) pro Jahr verdienen - das doppelte durchschnittliche Haushaltseinkommen. Und nicht nur zahlt man keine Studiengebuehren, sondern man bekommt auch noch gratis Wohnung, Buecher, und Verpflegung. Aber wenn die Eltern besonders viel Geld haben, dann zahlen sie die vollen $60,000 pro Jahr und decken so die Kosten der anderen Studenten. Koennen sich einige Amerikaner (und sehr viele Chinesen) problemlos leisten. Warum sollte man das Geld von denen, die es sich leisten koennen, also nicht nehmen? Und wenn jemand z.B. an MIT machine learning studiert, dann verdient er beim Abschluss schnell mal $200,000 pro Jahr. So koennte er auch einen hohen Kredit leicht zurueckzahlen... eigentlich nicht schlecht, wenn man einen Teil des privaten Nutzen so "besteuert." Steuern werden schliesslich auch von den einfachen Arbeitern bezahlt, die dann erst noch ihren Job wegen der Automatisierung verlieren. (Nebenbei gibt es auch Programme zur Umschulung, aber die funktionieren meist nicht: kein Unternehmen will einen 40 jaehrigen Programmierer ohne Erfahrung anstellen, wenn sie jemanden frisch aus der Uni beschaeftigen koennten.)

    Natuerlich findet man immer Beispiele von jemandem, der $200,000 Schulden aufgenommen hatte, um an der NYU Theater zu studieren. Vielleicht haben die Eltern fuer den Kredit gebuergt (bekommt man ja auch nicht einfach so) und helfen nicht bei der Rueckzahlung, oder was auch immer. Aber das sind klare Einzelfaelle.

  12. #432
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    Kannst du mir vielleicht deine Quellen nennen und wie du auf deine Zusammenstellung der Sozialausgaben kommst? Ich komme auf andere Zahlen.

    Und ich habe ja nicht von den Sozialausgaben allgemein gesprochen sondern dieses Beispiel mit dem Krieg gegen Terror vs. Bildungsinvestitionen (welche nie und nimmer im Asgabenbereich Social Security oder Medicare sind) weil es eben plakativ aufzeigt wie einerseits Geld ohne irgendeinen Output ( bis auf die Finanzierung des IS und Al Kaida) verlocht wurde und auf der anderen Seite würde man in die Bildung der eigenen Leute investieren und somit in Menschen, welche im Idealfall über ihre Bildung der Wirtschaft weiteren Wohlstand bringen, wenn man gar kapitalistisch argumentieren will. Und ich spreche hier übrigens nur vom Krieg gegen den Terror und nicht von den gesamten Pentagonausgaben, wo auch deine erwähnten Militärbasen irgendwo im Nirgendwo finanziert werden.

    Bezüglich deinen Ausführungen zum Bildungssystem teile ich deine Meinung überhaupt nicht und finde es wesentlich besser bei uns. Und leider wird an Universitäten halt nicht nur Dinge gelehrt, die später irgendetwas gross monetär zurückgeben. Ich meine was ist mit dem Englisch-Student, der später an einer öffentlichen Schule unterrichtet? Gerade für mich als ehemaligen Phil-1er ist das eine entscheidende Frage.

    Und ich rede hier nicht nur von den Unis sondern vom gesamten Bildungssystem, vom Kindergarten bis zum Professor. An der Harvard mag es ja vielleicht mit dem privaten Finanzierungsmodell funktionieren, aber ich bevorzuge dann doch eine progressive Einkommens- und Vermögenssteuer, statt den Good-Will einer hochgebildeten Elite mit einem sozialen Gewissen. Die Realität ist, dass viele Vermögende ihr Geld lieber auf einer Insel parkieren, statt damit obligatorische Steuern zu zahlen.
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  13. #433
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    Zitat Zitat von Konter Beitrag anzeigen
    Kannst du mir vielleicht deine Quellen nennen und wie du auf deine Zusammenstellung der Sozialausgaben kommst? Ich komme auf andere Zahlen.
    https://www.usaspending.gov/#/explorer/budget_function

    Bezüglich deinen Ausführungen zum Bildungssystem teile ich deine Meinung überhaupt nicht und finde es wesentlich besser bei uns. Und leider wird an Universitäten halt nicht nur Dinge gelehrt, die später irgendetwas gross monetär zurückgeben. Ich meine was ist mit dem Englisch-Student, der später an einer öffentlichen Schule unterrichtet? Gerade für mich als ehemaligen Phil-1er ist das eine entscheidende Frage.
    Wer in den oeffentlichen Dienst geht, dem werden die ausstehenden Bildungskredite nach 10 Jahren erlassen. Und waehrend diesen 10 Jahren zahlt man einen Prozentsatz des Einkommens; also nicht unerschwinglich. (Nebenbei: ein Englischlehrer verdient nach dem Studium den median des Haushaltseinkommen in den USA und hat garantiert einen Job. Also kein schlechter Beruf, auch nicht monetaer.)

    An einer oeffentlichen Uni kann man -- ganz ohne Stipendium -- fuer ein paar tausend Dollar pro Jahr Philosophie studieren. Das ist zwar nicht gratis, aber auch nicht unerschwinglich. Die Frage stellt sich einfach, in wie fern der normale Arbeiter, der Einkommenssteuern bezahlt, den Spass eines Studenten finanzieren sollte. Viele nehmen das Philosophiestudium ernst, und die werden auf dem Arbeitsmarkt auch Erfolg haben. Aber es gibt auch die andere Gruppe, die eigentlich nur studiert, weil die Eltern das wollen... in der Schweiz wuerden die einfach nicht aufgenommen werden.

    Ich bin oft beruflich an verschiedenen US Unis und in wie weit die Studenten "arbeiten," unterscheidet sich massiv. An vielen staatlichen Unis wird mehr gesoffen als gelernt. Damit habe ich kein Problem, aber das muss nicht unbedingt mit Steuergeldern unterstuetzt werden. Ich habe auch Kollegen, die dort unterrichten, und ganz einfach nicht auf dem Niveau unterrichten koennen, welches in der Schweiz ganz normal waere. Will heissen, es gehen wohl zu viele Leute studieren... und nehmen (vielleicht wegen sozialem Druck) diese Kredite auf, die sie eigentlich davon abhalten sollten. Das ist auch wieder ein Problem, aber auch nicht so einfach zu loesen: ich bevorzuge es grundsaetzlich gegenueber eines strengeren Aufnahmeverfahrens. (Dies auch auf Grund meiner persoenlichen Erfahrung: meine schulische Motivation kam auch deutlich spaeter und in der Schweiz sind wir nicht gut mit Quereinsteigern.)

    An top Unis arbeiten die Studenten wie verrueckt... 12 Stunden Tage sind bei denen ganz normal (auch am Wochenende). Muss nicht unbedingt "besser" sein, aber da sehe ich, warum man diese Leute finanziell unterstuetzen soll. In der Schweiz sind wir wohl in der Mitte... for better or worse.

    Und ich rede hier nicht nur von den Unis sondern vom gesamten Bildungssystem, vom Kindergarten bis zum Professor.
    Oeffentliche Schulen sind in den USA (wie auch in der Schweiz) lokal geregelt. Durchschnittlich sind sie nicht extrem gut, aber wenn man nur die "reicheren" Bundesstaaten anschaut (z.B. New York, Massachusetts, Californien), dann hinken wir in der Schweiz bedeutend hinten nach. So haben wir ja auch heute kaum Computerkurse und "Eliteschulen" wie Stuyvesant, Bronx Science, usw. gibt es bei uns nicht. Wie gesagt, man darf auch hier nicht die ganzen USA in einen Topf werfen. An einer Mittelschule haben wir in der Schweiz keine Robotikkurse...

    Die USA geben nebenbei pro Student etwa gleich viel Geld aus wie die Schweiz und rund 50% mehr als Deutschland: http://www.oecd.org/education/EAG201...B1%20(eng).pdf

  14. #434
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    Was du beschreibst, Soriak, ist ein durch und durch kapitalisiertes Bildungssystem. In den wirtschaftlich starken Regionen blüht die Bildung regelrecht auf und hat ein Toplevel. Ich meine die vier renommiertesten Unis der Welt sind nicht per Zufall in den USA. Aber sie sind eben nicht in Kansas oder South Dakota, sondern in 2x Kalifornien und 2x Massachusetts.

    Aber eben du beschreibst hier die eine Seite der Medaille. In wirtschaftlich starken Staaten mag die öffentliche Schulbildung vielleicht besser sein, aber die Schweizer Volksschulen sind im Schnitt sicherlich besser, als diejenigen im mittleren Westen. Die USA ist ganz klar eine 2-Klassengesellschaft und in keinen Bereich wird die 2-Klassengesellschaft auf lange Zeit mehr zementiert als in der Grundschulbildung.

    Volker Pispers hat zu diesem Thema einmal ein hervorragendes Kabarett gemacht und in meinen Augen den genialen Begriff des "Kapitalismus im Endstadium" eingeführt (ab 1.30)





    Selbst bei uns haben die meisten Wirtschaftsliberalen in den Parlamenten geschnallt, dass ohne öffentlich finanzierte Grundschuldbildung in sämtlichen Ecken des Landes, die sich auf einem ähnlichen Niveau bewegen, wie Privatschulen, keine Chancengerechtigkeit, geschweige denn eine Chancengleichheit erreicht wird. Und öffentlich finanzierte gute Schuldbildung, in sämtlichen Ecken funktioniert nicht, wenn man die wirtschaftlich schwachen Regionen (in der Schweiz die Bergkantone) nicht mit Geldern aus den wirtschaftlich starken Regionen unterstützt. Und das hat nichts mit der Grösse des Landes zu tun, sondern mit dem politischen Willen, Geld umzuverteilen zu Gunsten einer gerechteren Gesellschaft. Schlussendlich ist es eine Investition, die sich aber auch auszahlen kann.

    So müssen eben nich alle Technikinteressierten aus dem Bündnerland an die ETH gehen, sondern nur die Fleissigsten, Besten, Motiviertesten. Der Rest kann bspw. ein Architekturstudium in Chur absolvieren, bleibt in der Region, eröffnet sein Geschäft dort und fördert somit das lokale Gewerbe.

    In den USA geschieht genau das umgekehrte, du schreibst es ja selbst. Die Jungen zieht es so schnell wie möglich an die Küsten. Und weite Teile (heute auch Trump-Country genannt) sind sprichwörtlich abgehängt.

    Und eben es ist ja jetzt nicht so, dass unsere Mittel- und Hochschulen wahnsinnig schlecht sind, nur weil es noch keine Robotikkurse gibt.
    Geändert von Konter (27.02.2019 um 11:47 Uhr)
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  15. #435
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    Zitat Zitat von Konter Beitrag anzeigen
    Was du beschreibst, Soriak, ist ein durch und durch kapitalisiertes Bildungssystem. In den wirtschaftlich starken Regionen blüht die Bildung regelrecht auf und hat ein Toplevel. Ich meine die vier renommiertesten Unis der Welt sind nicht per Zufall in den USA. Aber sie sind eben nicht in Kansas oder South Dakota, sondern in 2x Kalifornien und 2x Massachusetts.
    Ist ja in Europa nicht anders, oder? Die besten Universitaeten sind nicht in Bulgarien und Rumaenien. Und auch Primar- und Sekundarschulen sind in der Schweiz und Schweden viel besser finanziert als in Osteuropa. Nur weil die USA ein grosses Land sind, macht das die Logistik ja nicht viel einfacher. Zeigt sich z.B. auch in West- vs. Ostdeutschland. Auch heute noch grosse soziale und wirtschaftliche Differenzen, trotz riesen Anstrengungen. Und wird in einem reichen Stadtteil von Paris verglichen mit einer Schule in einem armen Vorort, in dem hauptsaechlich Araber wohnen, auch nicht anders sein.

    Aber eben du beschreibst hier die eine Seite der Medaille. In wirtschaftlich starken Staaten mag die öffentliche Schulbildung vielleicht besser sein, aber die Schweizer Volksschulen sind im Schnitt sicherlich besser, als diejenigen im mittleren Westen. Die USA ist ganz klar eine 2-Klassengesellschaft und in keinen Bereich wird die 2-Klassengesellschaft auf lange Zeit mehr zementiert als in der Grundschulbildung.
    Die Schweiz hat in etwa die Bevoelkerung von Massachusetts und ist auch nicht viel groesser (wenn man mal die unbewohnten Teile abstreicht). Klar kann man da viel mehr umverteilen. Das ist ja in Massachusetts auch nicht anders: Schulen in Lawrence (Bevoelkerung 80,000; Haushaltseinkommen $35,000) erhalten auch Gelder von Steuerzahlern in Wellesley (Bevoelkerung 78,000; Haushaltseinkommen $185,000). Aber in der Schweiz wuerdest du kaum viel Unterstuetzung finden, wenn jedes Jahr Milliarden nach Osteuropa gehen sollten, um dort die oeffentlichen Schulen zu verbessern... das wird auch nicht anders, wenn man sich als "Europaer" sieht.

    Und das hat nichts mit der Grösse des Landes zu tun, sondern mit dem politischen Willen, Geld umzuverteilen zu Gunsten einer gerechteren Gesellschaft. Schlussendlich ist es eine Investition, die sich aber auch auszahlen kann.
    Da bin ich anderer Meinung: die Groesse des Landes und der Gemeinschaft ist wichtig. Wenn du eine gerechtere Welt willst, warum ziehst du den Strich an der Landesgrenze? Mit relativ wenig Geld kann man das Leben von sehr vielen Leuten in Indien verbessern: ein paar hundert Franken finanzieren dort gute Ausbildung.

    Umverteilung funktioniert doch nur, wenn man sich mit den Empfaengern der Leistungen identifizeren kann. In einem kleinen Land geht das national. Vielleicht schafft es die EU in der Zukunft, diese Identitaet auf ganz Europa auszuweiten. Aber im Moment scheint das nicht besonders gut zu funktionieren.

    So müssen eben nich alle Technikinteressierten aus dem Bündnerland an die ETH gehen, sondern nur die Fleissigsten, Besten, Motiviertesten. Der Rest kann bspw. ein Architekturstudium in Chur absolvieren, bleibt in der Region, eröffnet sein Geschäft dort und fördert somit das lokale Gewerbe.

    In den USA geschieht genau das umgekehrte, du schreibst es ja selbst. Die Jungen zieht es so schnell wie möglich an die Küsten. Und weite Teile (heute auch Trump-Country genannt) sind sprichwörtlich abgehängt.
    Aber die Technikinteressierten, selbst wenn sie nicht an die ETH gehen, arbeiten dann in Zuerich oder Basel: bestimmt nicht in ihrem Bergdorf. Wenn Google in der Schweiz eine Niederlassung gruendete, war es ja auch nicht ueberraschend, dass diese in Zuerich war (und nicht in Chams). Und der Lohnunterschied (bzw die Karrieremoeglichkeiten) duerften massivst unterschiedlich ausfallen: ein ETH Absolvent wird bedeutend mehr Chancen haben. Da die Schweiz relativ klein ist, kann man an einem Ort leben und an einem anderen arbeiten; aber das ist ja etwa als wuerde ich in einem Vorort von Boston wohnen und meinen, ich sei in Trump Country.

    Wenn man das geografisch etwas ausweitet, dann sieht man auch, dass hochqualifizierte Rumaenen z.B. das Land verlassen und in Westeuropa arbeiten. Also nur weil man arbitraere Grenzen zieht (Bundesstaat -> zu klein; Nationalstaat -> okay; Staatengemeinschaft -> zu gross) kann man nicht meinen, es sei kein allgemeines Problem.

  16. #436
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    Bloomberg macht nicht mit -- schade.

    Jetzt haben wir Elizabeth Warren, die Apple, Google, Facebook, und Amazon in kleinere Unternehmen aufbrechen will, und Bernie, der mit Trump auf gleicher Linie bezueglich Handelsabkommen ist...

    Wenn man aus wirtschaftsliberaler Sicht Trump waehlen muesste, dann gute Nacht...

  17. #437
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    Darf man bereits zur Wiederwahl gratulieren?
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  18. #438
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    Zitat Zitat von Konter Beitrag anzeigen
    Darf man bereits zur Wiederwahl gratulieren?
    Corona könnte zum ernsthaften Konkurrent werden
    Abstinenzler sind Leute, die niemals entdecken, was sie versäumen.

  19. #439
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    Corona könnte zum ernsthaften Konkurrent werden
    Ja, Trump gehört zur Risikogruppe.
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  20. #440
    Erfahrener Benutzer Avatar von Pro Sportchef bim FCB
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    Zitat Zitat von Konter Beitrag anzeigen
    Darf man bereits zur Wiederwahl gratulieren?
    Vermutlich hat ihn seine miserable Reaktion auf die Corona Krise die Wiederwahl gekostet. Die Leute sind seinen Lügen und seiner Inkompetenz auf die Schliche gekommen.

    Wenn Biden nun noch eine(n) VP aus dem eher linken Lager holt (Sanders oder sogar Warren) würde ihm das vermutlich noch mehr Stimmen bringen.
    Ich lasse mir meine Meinung nicht durch Fakten kaputt machen!

  21. #441

  22. #442
    Erfahrener Benutzer Avatar von Konter
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    Bravo, es geht schon los mit dem Narrativ, Bernie die Schuld zu geben, wenn Trump wiedergewählt wird. Dass man aber mal den Kandidaten Biden derart kritisch betrachtet wie Bernie, das gibt es in den meisten Medien nicht.

    Minutenlang dankte er den Unterstützern seiner „beispiellosen Graswurzel-Kampagne“. Es war eine ermüdende Aufzählung, am Ende dankte der linke Senator aus Vermont sogar den Musikern am Rande seiner Kundgebungen.

    Vor allem aber ging es in der Ansprache um ihn, um seine Leistungen, um die politische Relevanz der von ihm angeführten Kampagne. Ziemlich egomanisch für einen Mann, der mit dem Schlachtruf „Nicht ich. Sondern wir“ angetreten war.
    Der Autor hörte das, was er will und nicht das was Bernie sagte, sonst wäre ihm aufgefallen wie absurd und paradox diese aufeinanderfolgenden Zeilen sein würden

    Sanders hielt in weiten Teilen seine Standard-Rede, also jene Rede, die er seit 1978 oder 1981 hält. Amerika mag sich wandeln, die Welt sich rasant drehen, aber Bernie Sanders steht da, wo er immer schon stand, und kann nicht anders. Programmatischer Stillstand in einer Zeit der Bewegung.
    Man könnte es auch etwas freundlicher ausdrücken. Ein Politiker, der sich trotz langjähriger Tätigkeit in Washington treu blieb und zu seinen Idealen steht. Wer bereits in den 80er Jahren derart seiner Zeit voraus war bspw. bez. Homorechten, muss sich auch nicht jeden Tag neu überdenken.

    Aber dass Bernie sich nicht weiterentwickelt hat, stimmt schlichtweg nicht. Klar im Kern seiner Politik stand und steht die soziale Frage über die Ungleichheit. Aber gerade auch bei feministischen Themen oder der Minderheitenpolitik schaffte er eine sinnvolle Verknüpfung, die soziale Frage der Ungleichheit mit der postmodernen Identitätspolitik auf eine Weise zu vermischen, dass vielen Linken gerade in den USA leider überhaupt nicht gelingt, indem sie zu sehr auf Identitätspolitik setzen.

    Bernie wurde in den letzten Jahren auch wesentlich grüner.
    Nid füre Lohn, für d'Region

  23. #443
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    Zitat Zitat von Konter Beitrag anzeigen
    Man könnte es auch etwas freundlicher ausdrücken. Ein Politiker, der sich trotz langjähriger Tätigkeit in Washington treu blieb und zu seinen Idealen steht. Wer bereits in den 80er Jahren derart seiner Zeit voraus war bspw. bez. Homorechten, muss sich auch nicht jeden Tag neu überdenken.

    Aber dass Bernie sich nicht weiterentwickelt hat, stimmt schlichtweg nicht. Klar im Kern seiner Politik stand und steht die soziale Frage über die Ungleichheit. Aber gerade auch bei feministischen Themen oder der Minderheitenpolitik schaffte er eine sinnvolle Verknüpfung, die soziale Frage der Ungleichheit mit der postmodernen Identitätspolitik auf eine Weise zu vermischen, dass vielen Linken gerade in den USA leider überhaupt nicht gelingt, indem sie zu sehr auf Identitätspolitik setzen.

    Bernie wurde in den letzten Jahren auch wesentlich grüner.
    ein politiker der, für amerikanische verhältnisse, so weit links steht wird in deren system nie wählbar geschweige denn politisch mehrheitsfähig sein.
    egal wie gut oder zusätzlich wie grün er ist. dieser realität muss man ins auge schauen.

    die einzige reelle möglichkeit für die demokraten bestünde zur zeit gefühlt in einer (halb)schwarzen afro-amerikanerin, die charismatisch und jung und grün sein sollte. dazu aber auch noch genügend liberal und für einen teil der republikaner wählbar. eierlegende wollmilchsau?
    STAYTHEFUCKSAFE!!!

    ... erkennt die gefährlichkeit des virus aber lasst euch nicht von all den unseriösen prognosen der experten verunsichern...

    ... eine kurz- oder mittelfristige lösung dieser pandemie und infodemie ist utopisch...

  24. #444
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    Wir dürfen die Wahlen & Kandidaten sowie ihre Wahlchancen nicht aus europäischer Sicht beurteilen. Klar, vielen Sozialdemokratisch geprägten Europäer geht vor Freude bei Sanders der Schuss ab. Aber die USA ist politisch anders eingemittet und die Fähigkeit diverse ethnische (und nicht n ur politische) Milieus anzusprechen und für sich zu gewinnen ist in den USA so unglaublich viel wichtiger als bei uns.

    Darum hätte in meinen Augen ein Sanders, welcher bei den Schwarzen und den Schlechtverdienern mieserabel abschneidet, kaum Wahlchancen gegen Trump.
    Heusler.

    Alla sätt är bra utom de dåliga.

    "Zürich ist doppelt so gross wie der Wiener Zentralfriedhof - aber nur halb so lustig."

  25. #445
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    Zitat Zitat von Käppelijoch Beitrag anzeigen

    Darum hätte in meinen Augen ein Sanders, welcher bei den Schwarzen und den Schlechtverdienern mieserabel abschneidet, kaum Wahlchancen gegen Trump.
    Das ist schlichtweg Bullshit. Vor allem der Ausdruck miserabel ist doch sehr weit von der Realität entfernt.

    https://www.theguardian.com/us-news/...analysis-recap

    Wir sollten uns mal von der romantischen Vorstellung entfernen, dass die afroamerikanische Bevölkerung ein Monolith ist. Ähnlich wie auch bei den Weissen, wo die Ü30-40er mehrheitlich für Biden sind und die Jüngeren mehrheitlich für Bernie, kann man diese Differenz auch klar bei der afroamerikanischen Bevölkerung sehen. Junge Schwarze sind eher pro Bernie und ältere eher Pro Biden.

    Demografisch gesehen spielt also vor allem das Alter, sowie ländliche vs. urbane Gemeinden eine Rolle und weniger die ethnische Zugehörigkeit. Sie spielt sicherlich auch eine Rolle, aber der Generationen-Faktor scheint hier deutlich gewichtiger zu sein.
    Geändert von Konter (09.04.2020 um 12:43 Uhr)
    Nid füre Lohn, für d'Region

  26. #446
    Erfahrener Benutzer Avatar von Tsunami
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    Zitat Zitat von Konter Beitrag anzeigen
    Das ist schlichtweg Bullshit. Vor allem der Ausdruck miserabel ist doch sehr weit von der Realität entfernt.

    https://www.theguardian.com/us-news/...analysis-recap

    Wir sollten uns mal von der romantischen Vorstellung entfernen, dass die afroamerikanische Bevölkerung ein Monolith ist. Ähnlich wie auch bei den Weissen, wo die Ü30-40er mehrheitlich für Biden sind und die Jüngeren mehrheitlich für Bernie, kann man diese Differenz auch klar bei der afroamerikanischen Bevölkerung sehen. Junge Schwarze sind eher pro Bernie und ältere eher Pro Biden.

    Demografisch gesehen spielt also vor allem das Alter, sowie ländliche vs. urbane Gemeinden eine Rolle und weniger die ethnische Zugehörigkeit. Sie spielt sicherlich auch eine Rolle, aber der Generationen-Faktor scheint hier deutlich gewichtiger zu sein.
    Sanders erlitt die erwartet deutliche Klatsche. Klar ist, dass der Jungspund Joe eine grössere Chance hat gegen Donald zu gewinnen.
    Auch wenn ich alles andere als ein Joe-Fan bin (Gott bewahre!): er wäre die weniger schlechte Wahl als der momentane Clown. OK, das wäre wohl (fast) jeder.

  27. #447
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    Schon krass - und nicht zu hoffen - alle offiziell im Rennen verbleibenden Kandidaten (Trump, Biden und offiziell ja auch noch Sanders) gehören zur Hochrisikotruppe.

    Im schlimmsten Fall können sich die Amis noch neue Kandidaten auf beiden Seiten suchen (unwahrscheinlich, aber wenn möglich, dann in der heutigen Zeit)

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