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Roonaldo
20.12.2004, 14:47
Heute Abend ist Wahl zum Weltfussballer des Jahres.

Zur Wahl :

Andriy Shevchenko (Ukr) AC Mailand
Ronaldinho (Bra) FC Barcelona
Thierry Henry (Fra) Arsenal London

Na was meinet ihr wärs wird?

wikinger
20.12.2004, 14:49
ich hoff dr sheva7 wirds!!! isch für mich momentan dr kompletischti offensivspieler!

zul alpha 3
20.12.2004, 15:10
glaubs au ... dr sheva machts ... obwohl, vermarktigstechnisch könnt ich mir no vorstelle, dass d'FIFA fyr dr Ronaldinho wird vote ...

ScoUtd
20.12.2004, 15:12
glaubs au ... dr sheva machts ... obwohl, vermarktigstechnisch könnt ich mir no vorstelle, dass d'FIFA fyr dr Ronaldinho wird vote ...


Mines Wüssend voted do d FIFA für gar nütt, isch ä Nati-Trainer und -Captain Wahl, oder

l'antimilan
20.12.2004, 17:07
sheva!

schon nur die Angst, die er letzten Samstag verbreitete...ist dieser Titel wert!

schade eingentlich, dass ein solcher Spieler bei Milan ist!! :(

DerZensor
20.12.2004, 18:31
Sorry, aber "Weltfussballer" <- Wayne...

Ich finde diese Wahl eine Farce, meines Erachtens kann es nicht einfach "den Besten" geben...

Goose
20.12.2004, 20:34
Die Würfel sind gefallen:

1. Ronaldinho (FC Barcelona)
2. Thierry Henry (Arsenal)
3. Andrej Schwetschenko (AC Milan)

Maldini_3
20.12.2004, 20:37
Ich glaub mi sott dr Henry emol la gwünne, denn muesme ihn nid jedes johr nominiere ;)

Maldini_3
20.12.2004, 21:41
Ronaldinho wurde in Zürich als Weltfussballer des Jahres 2004 ausgezeichnet. Der Brasilianer wurde damit Nachfolger von Zinedine Zidane und verdrängte den Franzosen Thierry Henry sowie den Ukrainer Andrej Schewtschenko auf die weiteren Plätze.

[Si] - 157 Nationaltrainer und 145 Teamcaptains hatten an der Wahl teilgenommen. 89-mal wurde der Brasilianer auf den ersten Platz gesetzt. Ronaldinho ist bereits der vierte Spieler aus dem Weltmeisterland, der zum weltbesten Fussballer gewählt wurde.

An der Wahl teilgenommen hatte auch der Schweizer Nationalcoach Köbi Kuhn. Der Zürcher sah jedoch einen anderen Spieler an der Spitze: Kuhn wählte Schewtschenko auf Platz 1. Sein Teamcaptain Johann Vogel votierte für Thierry Henry, der zum zweiten Mal in Folge nur auf den zweiten Platz gesetzt wurde.

Wie im Vorjahr wurde die Deutsche Birgit Prinz bei den Frauen erneut zur besten Fussballerin gewählt. Die Amerikanerin Mia Hamm verpasste zum Abschluss ihrer internationalen Karriere ihre dritte Auszeichnung, nachdem sie in den Jahren 2001 und 2002 gewonnen hatte. Auf dem dritten Platz landete die erst 18-jährige Brasilianerin Marta.

FIFA-Weltfussballer des Jahres 2004. Männer: 1. Ronaldinho (Br) 620 Punkte. 2. Thierry Henry (Fr) 552. 3. Andrej Schewtschenko (Ukr) 253. 4. Pavel Nedved (Tsch) 178. 5. Zinedine Zidane (Fr) 150. 6. Adriano (Br) 98. 7. Deco (Por) 96. 8. Ronaldo (Br) 96. 9. Ruud van Nistelrooy (Ho) 67. 10. Kaka (Br) 64. - Frauen: 1. Birgit Prinz (De) 376. 2. Mia Hamm (USA) 286. 3. Marta (Br) 281. - Mannschaften: 1. Brasilien 843. 2. Frankreich 792. 3. Argentinien 785. - Fairplay-Preis: Brasilien. - Aufsteiger des Jahres: China.

Quelle: www.bluewin.ch

ilFenomeno
22.12.2004, 22:37
zidane vor adriano...an lächerligkait jo nimmi z iberbiete

Ernesto
22.02.2005, 15:44
Weltwoche -- 07 / 2005

So spielt das Leben

Wen Brasilianer zu sehr lieben, den schrumpfen sie. So wurde aus Ronaldo de Assis Moreira kurz: Ronaldinho. Er ist Weltfussballer des Jahres u2013 und der musikalischste Stürmer, den der FC Barcelona je hatte: Nach jedem Match verwandelt er den Mannschaftsbus in einen Konzertsaal.

Ein paar Monate nach der Fussball-WM 2002 besuchte ich in Feira de Santana, einer Stadt im Nordosten Brasiliens, Almir Monteiro; er ist der sportliche Leiter einer dort ansässigen Kinderstiftung. Wir sassen auf der Tribüne des Fussballstadions, und Almir schilderte mir die Szene, die ihm als eine der denkwürdigsten der Weltmeisterschaft im Gedächtnis haften geblieben war u2013 es war Ronaldinhos Geistesblitz im Viertelfinalmatch gegen England, der das Ausgleichstor für Brasilien einleitete. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte marschierte Ronaldinho mit dem Ball aus dem zentralen Mittelfeld nach vorne. Mit naturwissenschaftlicher Akribie beschrieb Almir, wie der Brasilianer tänzelnd auf den englischen Verteidiger Ashley Cole zulief, wie er mit einer kreisenden Bewegung des rechten Fusses eine Ballberührung vortäuschte und seine Laufrichtung änderte, ohne aus der Balance zu geraten. «Was er da vorgeführt hat, war reine Capoeira», sagt Almir Monteiro verzückt.

Heute, drei Jahre später, schwärmen die Fussballgourmets rund um den Globus von Ronaldinho, der im Dezember zum Weltfussballer des Jahres 2004 gewählt wurde. Kein Spieler fasziniert derzeit so sehr wie der 24-jährige Mittelfeldspieler des FC Barcelona, nicht einmal Ronaldo oder David Beckham. In den nächsten zwei Wochen stehen für ihn die beiden vielleicht wichtigsten Spiele des Jahres auf dem Programm, denn im Achtelfinal der Champions League bekommt es Barcelona ausgerechnet mit dem Branchenkrösus FC Chelsea zu tun. Es ist das Gipfeltreffen der gegenwärtig wohl besten Vereine Europas, und wenn es etwas gibt, worum die Engländer die Katalanen beneiden, dann ist es Ronaldinho u2013 0der genauer: dessen Genialität.

Wunderkind und Botschafter

Wie Amir glauben viele seiner Landsleute, der Schlüssel für Ronaldinhos Genialität und Gefährlichkeit liege in der Capoeir, also in der brasilianischen Kampfkunst, bei der zwei Kontrahenten einander gegenüberstehen und Tritte und Hiebe tauschen, die so gesetzt sind, dass sie den Körper des anderen knapp verfehlen. Almir meinte, die Körpertäuschung, mit der Ronaldinho Cole düpierte, sei das Pendant zur «Explosion», einer Capoeira-Finte, gewesen. Er zählte weitere fussballerische Kunststücke auf, die exakt bestimmten Capoeira-Bewegungen entsprechen: Der Fallrückzieher gehört ebenso dazu wie die Ballabgabe quer zur Laufrichtung.

Capoeira soll auf Sklaven aus Afrika zurückgehen, die ihr Kampftraining als Tanzkunst tarnen mussten, um eine Bestrafung zu vermeiden. Manche behaupten, die Entwicklung des Dribbelns zum Markenzeichen brasilianischer Fussballkunst sei parallel zur Evolution der Capoeira verlaufen. Anfang des 20. Jahrhunderts herrschte im brasilianischen Fussball noch Rassentrennung. Als dann Farbige und Mischlinge mit Weissen zusammen zu spielen begannen, nutzten sie ihre Capoeira-geschulten Bewegungen, um potenziell schmerzhaften körperlichen Kollisionen durch Dribbeln auszuweichen.

Ob Ronaldinho Capoeira tatsächlich praktiziert, konnte mir Amir nicht sagen, unbestritten ist jedoch, dass er der musikalischste brasilianische Spieler seiner Generation ist. Bei der WM 2002 war er der inoffizielle Dirigent, wann immer die Mannschaft eine Samba mitgrölte (was sie oft tat). Nach dem Sieg Barcelonas gegen Real Madrid zog er im Mannschaftsbus eine Trommel hervor und machte auf dem ganzen Weg zum Flughafen den Vorsänger. Als er letztes Jahr in seiner Heimatstadt Porto Alegre eine Medaille vom Gouverneur überreicht bekam, setzte er der Zeremonie die Krone auf, indem er vor den versammelten Honoratioren ein Tamburinsolo hinlegte.

Aber auch sonst ist Ronaldinho ein idealer Botschafter der Kultur seines Landes u2013 das fängt beim Namen an, da die Regeln der Namengebung viel über die brasilianische Gesellschaft verraten. Bei Fussballern gilt: Ist ein Spieler klein, schmächtig oder noch sehr jung, wird oft ein verniedlichender Name gewählt, erst recht wenn es sich um einen Stürmer handelt. Torhüter und Abwehrspieler werden hingegen öfter bei ihrem richtigen Namen oder sogar beim Nachnamen genannt. Daraus ist zu schliessen, dass die Brasilianer ihre Stürmer besonders lieb haben, während Verteidiger einfach zuverlässig und solide sein müssen und daher einen schnörkellosen Namen tragen sollten.

Aber nicht nur Fussballer laufen in Brasilien unter ihrem Vornamen, ihrem Kose- oder Spottnamen, sondern eigentlich alle, bis hinauf zum Präsidenten; dieser wird «Lula» genannt, abgeleitet von seinem Vornamen Luiz. (Er liess «Lula» sogar offiziell als Bestandteil seines Namens eintragen, damit die Leute ihn auf dem Wahlschein identifizieren konnten.) Die Namenskultur der Brasilianer ist eine der sichtbarsten Facetten der vielgerühmten Herzlichkeit dieses Volkes, wenngleich sehr viel dafür spricht, dass die wichtige Rolle von Spitznamen ein Erbe der Sklaverei ist.

Ronaldo de Assis Moreira war ein Fussball-Wunderkind. Der offensive Mittelfeldspieler wurde mit dem U-17-Team seines Landes Weltmeister, wechselte mit achtzehn ins Profilager und bestritt mit neunzehn sein erstes A-Länderspiel für Brasilien. Obwohl unglaublich frühreif, wirkte er eher jungenhaft als athletisch u2013 er war ein Schlaks mit vorstehenden Zähnen. Für ihn kam gar kein anderer Name in Frage als Klein Ronald u2013 Ronaldinho. Viele Leute meinen, Ronaldinho habe seinen Kosenamen abbekommen, damit er nicht mit Ronaldo verwechselt wird. Das stimmt schon deshalb nicht, weil Letzterer in Brasilien ebenfalls als Ronaldinho bekannt ist. Als der jüngere Ronaldinho die Szene betrat, wurde er zu Ronaldinho Gaúcho. Eine Anspielung auf seine Herkunft aus dem südlichsten Bundesstaat Brasi- liens, Rio Grande do Sul, mit seinen Pampas und Viehhirten. Ronaldo, der Ältere, erhielt den Ehrennamen Ronaldinho Fenômeno («das Phänomen»).

Schöne Pässe, schöne Kurven

Anders als die meisten brasilianischen Fussballer verbrachte Ronaldinho den grössten Teil seiner Kindheit in einer anständigen Wohngegend und musste sich nie Sorgen um die nächste Mahlzeit machen. Sein älterer Bruder Roberto Assis galt einst als das meistversprechende Fussballtalent von Rio Grande do Sul. Grêmio Porto Alegre nahm ihn unter Vertrag. Um Juventus Turin, das an Assis interessiert war, ein Schnippchen zu schlagen, bot Grêmio seiner Familie den Umzug aus dem Armenviertel Restinga, wo Assis aufgewachsen war, in einen vornehmeren Stadtteil an. (Der Bruder konnte übrigens die in ihn gesetzten Erwartungen nie erfüllen. Er schaffte zwar den Sprung nach Europa, spielte aber nur in unbedeutenden Vereinen, unter anderem beim FC Sion.) Doch Ronaldinhos Kindheit blieb nicht ungetrübt: Kurz nachdem die Familie in ihr Traumhaus gezogen war, erlitt der Vater im Pool einen Herzschlag und starb. Ronaldinhos Erziehung übernahmen Mutter Miguelina und die grosse Schwester Deise.

Rio Grande do Sul ist einer der eigenwilligsten und eigenständigsten Bundesstaaten Brasiliens, der einzige, der einen Sezessionskrieg gegen den Rest des Landes geführt hat (zu Beginn des 19. Jahrhunderts). Es ist das Land der Pampas, geografisch und klimatisch Uruguay und Nordargentinien näher als dem übrigen Brasilien. Zwar wurden auch Sklaven hierher verfrachtet und in den Pökelfleisch-Fabriken eingesetzt, aber bestimmender für den Charakter des Staates wurden die Einwanderer, die nach Abschaffung der Sklaverei kamen: Deutsche, Italiener, Polen. Von seiner ethnischen Mischung her ist Rio Grande do Sul einer der «weissesten» Staaten Brasiliens, berühmt auch dafür, die schönsten Frauen des Landes hervorzubringen. So gesehen, ist es paradox, dass sein bekanntestes Gesicht dunkelhäutig ist. (Sein zweitbekanntestes Gesicht ist das von Gisele Bündchen, was den Ausgleich wieder- herstellt.)

In der Halle gross geworden

Rio de Janeiro und São Paulo sind prägend für das Image Brasiliens. In den letzten Jahren haben aber gerade die südlichsten Bundesstaaten eine überproportionale Zahl von Spitzensportlern hervorgebracht. Daiane dos Santos, die Turnweltmeisterin, die die Leistungsgrenzen in ihrem Sport hinausgeschoben hat, stammt aus Porto Alegre, Gustavo Kuerten, der dreimalige Gewinner des French Open, aus dem benachbarten Santa Catarina.

Als südlichster Bundesstaat Brasiliens ist Rio Grande do Sul auch der kälteste, ab und zu fällt sogar Schnee. Das kühle Klima ist vielleicht der Hauptgrund dafür, dass hier ein anderer Fussball gespielt wird. Als ich Luis Felipe Scolari, Trainer der brasilianischen Auswahl beim Weltcup 2002, in seinem Haus in Porto Alegre interviewte, meinte er, wegen der Kälte liefen die Spieler im Süden mehr, um sich warm zu halten. Diejenigen, die Fussballspielen in Rio lernen, rennen wegen der tropischen Hitze im Allgemeinen so wenig wie möglich. Ungeachtet seines Kosenamens «Gaúcho», zeugen Ronaldinhos fussballerischen Fertigkeiten jedoch weniger vom europäischen Stil Südbrasiliens, sondern sehr viel mehr von einem panbrasilianischen Phänomen: dem Futebol de Salão. Wer in Brasilien aufwächst, spielt sehr selten Fussball im Freien. Rasenplätze sind in der tropischen Hitze nicht leicht grün zu halten, und in den Städten haben Grundstücksspekulanten fast alle unbebauten Areale aufgekauft. Die jungen Leute spielen stattdessen in der Halle, fünf gegen fünf auf einem Basketballfeld, mit einem kleinen, schweren Ball, der nicht springt. (Fast alle grossen brasilianischen Spieler der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts u2013 Pelé, Zico, Ronaldo u2013 jagten zunächst hinter der kleinen Kugel her.) Da gegen die schwere Kugel zu treten, wehtun kann, entwickeln die Kinder besondere Fertigkeiten betreffend Ballbehandlung, Dribbeln und Kurzpässe.

Ernesto
22.02.2005, 15:45
Zu dem Zeitpunkt, als Grêmio auf Ronaldinho aufmerksam wurde, galt er in Hallenfussball-Kreisen bereits als ganz grosses Talent. Bei Grêmio begann er in der Escolinha, der klubeigenen Fussballschule, und spielte dann u2013 noch keine 18 u2013 in der ersten Mannschaft. 1999 kam seine Karriere in Fahrt. Mit einem atemberaubenden Siegestor für Grêmio im Endspiel um die Staatsmeisterschaft gegen den Erzrivalen Internacional festigte er seinen Status als Vereinsidol. Im selben Sommer wurde er ins Nationalteam berufen, und gleich bei seinem ersten Einsatz in einem Pflichtspiel, dem Match gegen Venezuela im Turnier um die Copa América, gelang ihm ein denkwürdiger Treffer. Er lüpfte den Ball über den ersten Gegenspieler, umdribbelte den zweiten, ohne dass der Ball den Boden berührte, und überwand dann den Torwart.

Rotzlöffel gegen Hurensohn

Der Schritt nach Europa war unvermeidlich. Doch dort Fuss zu fassen, war nicht einfach. Zuerst durfte Ronaldinho fünf Monate lang nicht spielen wegen eines Rechtsstreits zwischen Grêmio und Paris St-Germain. Dann zerstritt er sich mit dem soldatischen Trainer Luis Fernandez. Er musste auf Positionen spielen, die ihm nicht lagen, beklagte sich darüber und betitelte Fernandez nach einer seiner vielen Auswechslungen sogar als «Hurensohn». Mehr Erfolgserlebnisse hatte Ronaldinho offenbar in den Nachtklubs von Paris. Eine Stripperin erzählte einer englischen Zeitung, der Brasilianer entfalte beim Sex die Wucht eines «Presslufthammers». Ronaldinho erwarb sich den Ruf, ein launenhafter Rotzlöffel zu sein, dem ein glamouröser Lebensstil wichtiger war als sein Fussballerberuf.

Doch nach seinen herausragenden Leistungen bei der WM 2002 war er wieder ein gefragter Spieler. Nach Saisonende wechselte er schliesslich zum FC Barcelona, zu einem Verein, der gerade in einer der grössten Krise seiner Geschichte stand. Seit 1999 hatte Barça die spanische Meisterschaft nicht mehr gewonnen, hatte sich jetzt nicht einmal für die Champions League qualifiziert und litt unter drastischem Zuschauerschwund. Mit der Verpflichtung Ronaldinhos setzte der neue Klubpräsident Joan Laporta ein erstes Signal für eine aufregendere Zukunft. Über 25000 Fans kamen zur Begrüssung des Brasilianers ins Stadion Camp Nou, mindestens so viele wie zwei Jahrzehnte zuvor, als Diego Maradona seinen Antrittsbesuch gemacht hatte. Dann kam sein erstes Meisterschaftsspiel. Kurz vor dem Ende schnappte sich Ronaldinho den Ball in der eigenen Hälfte, düste los, liess zwei Verteidiger aussteigen und knallte den Ball aus 27 Metern ins Tor.

Eine neue Ära hatte begonnen. Mit Ronaldinho mauserte sich Barcelona in der Saison 2003/04 vom Mitläufer zum Meisterschaftsanwärter, und der Brasilianer wurde zum besten ausländischen Spieler Spaniens gekürt. In der laufenden Saison führt Barcelona die Tabelle an und spielt den erfrischendsten Offensivfussball in Europa seit dem AC Mailand in den späten achtziger Jahren. Ronaldinho ist das Herz und die Seele der Mannschaft. «Es ist nicht nur die Art, wie er spielt, sondern auch die Art, wie er seine Mitspieler aufbaut. Er ist für die anderen so etwas wie ein älterer Bruder, ist für sie die unbestrittene Führerfigur», sagt der katalanische Romancier und Sportautor Jordi Punti. «Er hat ein grosses Herz.»

Zu hässlich für Real Madrid?

Seit Ronaldinho in Barcelona spielt, hat sich sein Image gewandelt. Er präsentiert sich nicht mehr als hedonistischer Hansdampf, sondern hat zum «Goldjungen» mutiert. Nach wie vor Single, lebt er zurückgezogen mit Bruder Assis, Schwester Deise und seinem besten Freund Thiago. Sein persönlicher Coach ist sein Cousin. Während man Ronaldo immer in Begleitung einer prominenten Gespielin sieht, umgibt sich Ronaldinho mit Familienangehörigen. Neulich trat er mit seiner Mutter in einem brasilianischen Werbespot für ein Waschmittel auf. Seine Rolle ist die eines Familienmenschen, sowohl was seine leibliche, als auch was seine sportliche Familie, das Team, betrifft.

Als Ronaldinho nach Barcelona kam, kolportierte die spanische Presse Gerüchte wie jenes, dass er zu hässlich sei, um bei Real Madrid ein Vertrag zu bekommen. Mit seinem jetzigen Image würde er in der Tat dem Glamour-Anspruch der «Galaktischen» nicht genügen. In Barcelona hat er jedoch neue Massstäbe gesetzt. Die Einnahmen des Klubs sind seit der Verpflichtung Ronaldinhos stark gestiegen, sieben von zehn verkauften Trikots tragen seine Nummer, und Barça hat das Antrittshonorar für Freundschaftsspiele auf das Dreifache erhöht.

Ronaldinho sieht vielleicht nicht so gut aus wie David Beckham, aber er hat ein Attribut, das in aller Welt verstanden und geschätzt wird u2013 ein unwiderstehliches Lächeln. Er sieht fast übertrieben glücklich aus, wenn er spielt, und seine Kaninchenzähne unterstreichen den Eindruck kindlicher Unschuld. Dass sein Lächeln immer ein wenig linkisch wirkt, lässt es umso herzlicher und natürlicher wirken. Er ist einer, der mit seiner äusseren Erscheinung versöhnt ist. Sein Lächeln ist ansteckend. In einer Fussballwelt, die zunehmend zynischer wird, erinnert die Frohnatur Ronaldinho daran, dass Fussball eigentlich ein Spiel ist, das Spass machen sollte. Eine wahrhaft tröstliche Erkenntnis.


Der Engländer Alex Bellos war vier Jahre lang Brasilien-Korrespondent für den Guardian und den Observer. Er ist Autor des Buches «Futebol u2013 Fussball. Die brasilianische Kunst des Lebens». Edition Tiamat, 2004. 398 S., Fr. 31.40

baslerstab
22.02.2005, 16:11
da muss sich ronaldinho im '05 aber mächtig ins zeugs legen, um seine wahl auch zu bestätigen .....;)