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dongga
20.01.2005, 10:40
«Tages-Anzeiger» vom 20.1.2005, Seite 41

Polterer Hoeness in seiner Lieblingsrolle


Morgen Freitag beginnt die Rückrunde der Bundesliga.
Bayern München und sein Manager begreifen sich in jeder Beziehung als Mass aller Dinge.

Von Thomas Schifferle

Die « Bild » - Zeitung lieferte in diesen Tagen wieder einmal ein Musterbeispiel dafür, wie eine Boulevardzeitung funktioniert. Erst berichtete sie aufgeregt aus dem Trainingslager der Münchner Bayern in Dubai, Oliver Kahn habe seinen Goalietrainer Bernd Dreher beleidigt; dann druckte sie die Reaktionen der Konkurrenzblätter ab, die ihr abgeschrieben hatten; und genüsslich konnte sie die Geschichte weiterziehen.

Uli Hoeness dagegen gefiel nicht, dass sein FC Bayern Anlass negativer Berichterstattung ist. Darum machte der Münchner Manager vergangene Woche das, was er in solchen Fällen gerne tut. Er eröffnete einen Nebenschauplatz. Dass seine Gedanken über Schalke und dessen Manager Rudi Assauer zum Rundumschlag ausarteten, hat ebenso System. Hoeness geht am liebsten auf den jeweils härtesten Gegner los. Das ist, bevor morgen Freitag die Rückrunde der Bundesliga beginnt, der Klub aus dem Ruhrgebiet.

Also polterte Hoeness: « Wer mit Bayern München mithalten will, braucht einen langen Atem, vor allem wirtschaftlich. Wir müssen abwarten, ob Schalke diesen Atem hat. Schon ein paar andere haben sich die Zähne ausgebissen. Und ich denke, dass Schalke auch gefährdet ist, weil das Fundament nicht solide ist. » Hoeness spielte auf die Verbindlichkeiten Schalkes in Höhe von 100 Millionen Euro an und hielt Assauer vor, dass er « auf Teufel komm raus einen Titel gewinnen will » und Schalke aus persönlichem Ehrgeiz « in ein grosses Risiko hetzt » . Assauer reagierte mit zeitlicher Verzögerung und riet seinem Kritiker: « Mässige dich. »

« Sicher wie das Amen in der Kirche »

Der Schalker Manager hat seinen Traum, endlich Meister zu werden. Dafür hat er das Finanzmodell mit einer Anleihe gewählt und als Sicherheit die Zuschauereinnahmen von insgesamt zehn Jahren verpfändet. Hoeness verspricht jenen Klubs den Untergang, die ihre Geschäfte « auf Pump » finanzieren. « Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche » , behauptet er.

Borussia Dortmund müsste das warnende Beispiel für alle sein, die sich zum Ziel gemacht haben, Bayern dauerhaft zu fordern. Die Borussen wollten in fünf Jahren aufholen, was sich Bayern in 25 Jahren aufgebaut hat, und verloren bei Ablösesummen und Spielergehältern jegliches Mass. Trotz eines landesweit unerreichten Schnitts von rund 73 000 Zuschauern weisen sie 118 Millionen Euro Schulden aus. In der Not haben sie nun die Bayern um Hilfe angefragt. Und die Bayern werden, das ist zu vermuten, in irgendeiner Form helfen. So sehr sie wissen, dass die Bundesliga ohne sie nie derart funktioneren würde, so solidarisch zeigen sie sich mit ihr. Grosszügigkeit können sich die Münchner in Härtefällen leisten, weil sie wirtschaftlich unerreichbar sind. In den letzten zehn Saisons steigerten sie den Umsatz von 63 auf 166 Millionen Euro und verbuchten einen Reingewinn von insgesamt 68 Millionen. Ihre Mitgliederzahl wuchs in der gleichen Zeit von 44 000 auf 98 000. ( Schalke hat mit 41 000 am zweitmeisten.) Hannovers Manager Ilja Kaenzig sagt: « So schnell kann gar niemand arbeiten, um den Vorsprung der Bayern aufzuholen. » Diese Erfahrung hat er bereits an seinem früheren Arbeitsplatz in Leverkusen gemacht, wo auch die Rückendeckung durch das Bayer- Werk und dessen Zuschüsse von jährlich rund 30 Millionen Euro nicht genügten, etwas an der Hierarchie im deutschen Fussball zu ändern.

Der FC Bayern ist ebenso nationales wie internationales Ereignis. Zu seinem Selbstverständnis passt, wie er auf der eigenen Homepage seine Bilanzen kommentiert: « Der FC Bayern ist und bleibt die Nummer eins. » Die übrigen Vereine müssen damit leben, eine regionale Attraktion zu sein.

Wenigstens können sie dann und wann von sportlichen Fehltritten desRekordmeisters profitieren, wie Werder Bremen in der vergangenen Saison. Dass der Erfolg neidisch macht, weiss nach seinem ersten halben Münchner Dienstjahr auch Felix Magath.

« Es würde viel mehr Leute freuen, wenn Schalke Meister wird und nicht der FC Bayern » , sagt der Trainer.

Auf den Skandal lauern

Die Münchner sind das beliebteste Objekt der deutschen ( Sport-) Medien. Kaenzig ist in diesem Zusammenhang nicht entgangen, wie Randgeschichten immer mehr in den Vordergrund rücken und die Verpackung immer wichtiger wird als der Inhalt. « Journalisten besuchen die Trainings nicht, um zu beobachten, wie gearbeitet wird » , sagt er, « sie lauern auf den Skandal. » Fündig geworden sind sie in der langen Winterpause zum Beispiel bei Werder Bremen. Johan Micoud verletzte Fabian Ernst mit einem Kopfstoss, weil er von ihm verbal provoziert worden war.

Seither wird aufmerksam beobachtet, wie sie sich im Training verhalten. In Stuttgart wurde öffentlich vorgerechnet, dass Hakan Yakin für sein Nichtstun täglich 3287 Euro erhält. Und der Vertragspoker von Timo Hildebrand störte die schwäbische Idylle nachhaltig. Der sonst besonnene VfB- Präsident Erwin Staudt reagierte « sauer » auf das endgültige Scheitern der Vertragsverhandlungen mit dem Goalie, dem eine Verdreifachung des Jahresgehalts auf 1,8 Millionen Euro nicht gut genug war. Schalke hatte sich mit der Hand von Ailton zu beschäftigen, die er sich während seines Heimaturlaubs in Brasilien auf der eigenen Ranch beim Reiten verletzte. In Hannover sorgte Trainer Ewald Lienen mit seinen Begehrlichkeiten nach mehr Macht für Missstimmung.

Und so wird das von morgen an immer weiter gehen, weil es zwangsläufig viele Klubs geben wird, die ihre Ziele nicht erreichen. Zumindest die Hälfte der Liga will in den Europacup, aber dafür sind nur fünf Plätze reserviert. Und absteigen müssen auch drei. Es kann ein spannender Frühling werden.

Varela-8
20.01.2005, 11:20
Sehr schöne und guete Bericht, einige Betrachtige sin scho sehr kritisch un mi liechtem Zynismus vrsetzt. :)